2013-3-mai 2013

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Informationsblatt der Christinnen u. Christen für die Friedensbewegung
Nr. 3/2013

versandt als BETRIFFT FRIEDEN Nr. 3 / 2013

Liebe Friedensfreundin, lieber Friedensfreund,

das nächste Treffen findet am

Sonntag, dem 26. Mai 2013 um 14:30 Uhr in der Evangelischen Pfarrgemeinde HB,
1150 Wien, Schwegler Straße 39 (U3 „Schwegler Straße“)

statt. Professor DDr. Alfred Kirchmayr spricht um 15:00 Uhr (ACHTUNG NEUER BEGINN) „Der Papst und das ‚Volk Gottes unterwegs’ Johannes XXIII. und Franz I.“

Die Christinnen und Christen für die Friedensbewegung machen bei der heurigen Langen Nacht der Kirchen am 24. Mai 2013 in der Donaucitykirche mit:
19:00 Uhr – 20:30 Uhr: Diskussion „Dialog verschiedener Religionen – reale Möglichkeit oder Illusion?“
Mag. Thomas Hennefeld, ChristInnen f. d. Friedensbewegung;
Imam Dipl.-Ing. Tarafa Baghajati (muslim. Gefängnisseelsorger);
Marina Jahn, Buddhistisches Zentrum Wien
Moderation: Sigrun Rädler, Donaucity-Gemeinde;
Donaucitykirche, 1220 Donaucitystr. 2, U1 Kaisermühlen-VIC
Infos über das gesamte Programm in der Donaucitykirche
http://www.donaucitykirche.at/
und über die gesamte Lange Nacht der Kirchen
http://www.langenachtderkirchen.at/

Friedensgottesdienst mit Kaplan Franz Sieder und Dompfarrer Toni Faber
Sonntag, 26. Mai 2013, 18:00 Uhr, Stephansdom

Aus dem Inhalt:
Franz Sieder: Offener Brief an Papst Franziskus
Adalbert Krims: Wohin führt der neue Papst seine Kirche?
Thomas Hennefeld: Schatten und Licht über dem neuen Pontifex
Bernardeth Carmen Caero Bustillos: Lebenskultur des Schalom als Dienst des Papstes an der Weltkirche


Franz Sieder
Offener Brief an Papst Franziskus
Besinnungstext beim Treffen der ChristInnen für die Friedensbewegung am 17. März 2013

Lieber Mitbruder Franziskus!

Ich spreche dich als Mitbruder an, weil sich die Priester zumindest in Österreich gegenseitig als Mitbrüder bezeichnen. Ich bin auch überzeugt, dass du diese hochtrabende Anrede „Heiliger Vater“ gar nicht willst.

Franziskus, ich möchte dir zuerst einmal gratulieren, dass du von den Kardinälen zum Oberhaupt der Katholischen Kirche gewählt worden bist.

Als Betriebsseelsorger und Friedensaktivist freue ich mich, dass man dich zum Papst gewählt hat, weil du eine klare und entschiedene Option für die Armen hast und weil es dir nicht nur darum geht, die Armen caritativ zu versorgen. Du hast immer auch Strukturen gefordert, die es möglich machen, dass die weltweite Armut reduziert und sogar beseitigt wird. In einer Rede als Kardinal hast du einmal folgendes gesagt: „Die Menschenrechte werden mit Armut verletzt. Nicht nur mit Terrorismus, Unterdrückung und Mord, sondern auch mit der Existenz extremer Armut.“ Du sagst damit, dass unsere neoliberalen Wirtschaftsstrukturen, die die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer machen, eine tiefe Verletzung der Menschenrechte sind und auch in völligem Widerspruch stehen zum Geist des Evangeliums. Einer deiner päpstlichen Vorgänger hat diese Strukturen „Strukturen der Sünde“ genannt.

Ich habe gehört, dass du in Buenos Aires immer wieder auch bewusst in die Siedlungen der Armen gegangen bist, um mit ihnen Kontakt aufzunehmen und dich von ihrer Not berühren zu lassen. Du hast eine starke Empathie für die Leiden der Menschen. Dass du den Namen Franziskus angenommen hast, das deutet für mich darauf hin, dass der heilige Franz von Assisi für dich ein großes Vorbild ist. Er ist für dich ein Vorbild in seiner radikalen Option für die Armen und in seinem eigenen persönlichen Lebensstil. Dass der einfache Lebensstil für dich wichtig ist, um glaubwürdig zu sein, das hast du als Kardinal schon dadurch gezeigt, dass du nicht in einem kirchlichen Palast, sondern in einer einfachen Wohnung gelebt hast. Ich wünsche dir, dass es dir auch als Papst gelingt, das Pompöse zu reduzieren und einen einfacheren Lebensstil zu finden. Wir könnten uns ja auch nicht vorstellen, dass Jesus heute mit jenem Prunk auftreten würde, wie es bisher von den Päpsten und oft auch von den Bischöfen gehandhabt wurde.

Der heilige Franz von Assisi hat auch in einer Vision einmal die Stimme Gottes gehört, die ihm gesagt hat „Baue meine Kirche neu“. Franz von Assisi hat dann tatsächlich versucht, eine Kirche, die mit den Reichen gepackelt hat und für viele Menschen unglaubwürdig geworden ist, zu erneuern. Er ist sogar zum Papst nach Rom gefahren und hat ihm die Wahrheit ungeschminkt ins Gesicht gesagt.

Du weißt selbst, dass unsere Kirche in vieler Hinsicht eine Baustelle ist, dass vieles zusammen gebrochen ist und dass sie renovierungsbedürftig ist. Du weißt wahrscheinlich selbst, wo es dringend notwendig wäre, das Haus Kirche zu renovieren – ich möchte dir aber trotzdem einige persönliche Wünsche sagen, wo ich glaube, dass du dringend ans Werk gehen solltest:

Als erstes meine ich die korrupte und oft sogar mafiose Situation der römischen Kurie. Sogar der sonst sehr diplomatische Kardinal Schönborn sagte, dass dort Handlungsbedarf ist und ein Reinigungsprozess eingeleitet werden muss. Nimm dir in dieser Situation Jesus zum Vorbild, der auch im heiligen Bezirk am Tempelplatz in Jerusalem die ganzen Geldwechsler und korrupten Typen mit einer Peitsche verjagt hat. Jesus wurde vom heiligen Zorn gepackt und er hat sie angeschrieen: „Ihr habt das Haus meines Vaters zu einer Markthalle gemacht.“ Verjage auch du all diese Geldwechsler und Gauner aus dem Vatikan – es muss ja nicht unbedingt mit einer Peitsche sein.

Beim II. Vatikanischen Konzil war ein großartiger geistiger Aufbruch in der Kirche, aber an den verknöcherten, undemokratischen, vatikanischen Strukturen wurde nichts geändert. Bei den Renovierungsarbeiten der Kirche ist es dringend notwendig, die Strukturen der Kirche zu demokratisieren. Überall auf der Welt erleben wir den Abschied von diktatorischen Systemen und den Frühling von demokratischen Staatsformen – warum nicht auch in der Kirche. Neuer Wein gehört auch in neue Schläuche – das steht schon in der Bibel.

Ein Prozess, der heute – Gott sei Dank – in der Welt voranschreitet, ist der Befreiungsprozess der Frau. Schon in der Charta der Menschenrechte steht, dass die Menschen gleich sind an Rechten und Würde. Die Frau hat die gleichen Rechte und die gleiche Würde. Wenn dir die Gerechtigkeit auf der Welt ein Herzensanliegen ist, dann möchte ich dir sagen, dass es ohne Gleichheit keine Gerechtigkeit gibt. Es gibt auch keine theologischen Gründe, die die Frau vom Diakonat und vom Priestertum ausschließen. Ich will dich da nicht belehren, das weißt du selbst. Was den Zölibat der Priester anbelangt, möchte ich dir sagen, dass die Kirche nicht mehr verlangen soll als Jesus von seinen Aposteln verlangt hat. Wir wissen aus der Bibel, dass zumindest der erste Papst Petrus verheiratet war.

Ich habe gehört, dass du eher eine konservative Linie in der Sexualmoral vertrittst. Ich möchte auch nicht, dass die Sexualität zum bloßen Konsum wird und eine/r den / die andere/n als Objekt benutzt. In diesem Bereich liegt in unserer Gesellschaft sicher vieles schief. Wenn wir sagen, dass Sexualität immer im Geist wahrer und ehrlicher Liebe geschehen soll und eine/r den / die andere/n nie zum Objekt für egoistische Bedürfnisse machen darf, dann ist das ein hoher moralischer Anspruch. Die offizielle Kirche muss nicht den Menschen vorschreiben, welches Verhütungsmittel sie nehmen dürfen und welches nicht. Jeder Mensch hat da sein / ihr eigenes Gewissen und nach seinen / ihren Gewissen soll er / sie seine / ihre Entscheidungen treffen. Schon der Heilige Augustinus sagte: „Liebe und tu, was du willst.“

Wenn wir kapieren, was die Liebe ist, die Jesus uns vorgelebt hat, dann brauchen wir auch nicht die vielen Vorschriften und Gesetze von Rom. Ich wünsche mir überhaupt, dass du mithilfst, dass wir uns verabschieden von einer Gesetzeskirche und mehr zu einer Befreiungskirche werden, die ein wichtiges Instrument ist zur gesamtmenschlichen Befreiung der Menschen: Jesus ist es ja vorrangig um das Werden des Reiches Gottes in unserer Welt gegangen – das ist nicht anderes, als dass unsere Welt menschlicher, gerechter und friedlicher werden soll. Ich habe schon das Gespür, dass du durch deine Sensibilität für die Armen und für die Gerechtigkeit in Richtung Befreiungskirche unterwegs bist.

Ich habe gehört, dass du der Befreiungstheologie gegenüber Vorbehalte hast. Ich kann das schwer verstehen, wo du doch eine so klare Option für die Armen hast und du ein Lateinamerikaner bist. In deinem Kontinent ist ja die Befreiungstheologie entstanden. Ich kann mir deine Vorbehalte nur so erklären, dass du Angst hast, als politisch links eingestuft zu werden. Sollte uns das aber nicht egal sein. Jesus würde heute auch ganz sicher als politisch links eingestuft. Wenn links heißt, auf der Seite der Armen zu stehen und wenn links heißt, sich einzusetzen für ein Mehr an Gerechtigkeit, dann kann eine sogenannte christliche Politik auch heute nur eine linke Politik sein.

Du kannst jetzt als Papst auch Heiligsprechungen vornehmen. Ich würde mir wünschen, dass du den Erzbischof Oscar Romero, den Erzbischof Helder Camara und deine ermordeten Jesuitenkollegen in El Salvador heilig sprichst. Sie waren alle Vertreter der Befreiungstheologie und sie sollen durch die Heiligsprechung für uns besondere Vorbilder des Glaubens sein.

Durch dein erstes Auftreten als Papst hat die Kirche schon ein wenig mehr ein menschliches Antlitz bekommen. Ich wünsche mir, dass durch deine Taten dir Kirche noch menschlicher und glaubwürdiger wird.

Gott segne dich!

Dein Franz Sieder

 

Adalbert Krims
Wohin führt der neue Papst seine Kirche?

Der neue Papst hat weltweit ein enormes Medienecho ausgelöst. Jorge Mario Bergoglio ist der erste Lateinamerikaner und erste Jesuit an der Spitze der römisch-katholischen Kirche. Er war schon als Erzbischof von Buenos Aires wegen seines bescheidenen Lebensstils und seines sozialen Engagements als „Kardinal der Armen“ bekannt. Die Wahl des Papstnamens Franziskus (in Anlehnung an den Bettelmönch Franz von Assisi im Mittelalter) sowie bewusste Abstriche vom päpstlichen Pomp bei seiner Amtseinführung machten den Argentinier zusätzlich populär. Der Beginn des neuen Pontifikats war aber auch von der Diskussion über die Rolle des damaligen Jesuitenprovinzials Bergoglio während der Militärdiktatur in Argentinien überschattet, wobei sogar der Vorwurf der direkten Kollaboration erhoben wurde.

Ein Eisenbahnersohn wird Papst

Bergoglio wurde am 17. Dezember 1936 als Sohn italienischer Einwanderer in Buenos Aires geboren, wo er zweisprachig und als Doppelstaatsbürger in bescheidenen Verhältnissen aufwuchs. Sein Vater war Eisenbahnarbeiter. Jorge absolvierte nach der Schulzeit ein Diplomstudium in Chemietechnik. 1958 trat er dem Jesuitenorden bei und studierte Theologie sowie Philosophie in Argentinien und Chile. 1969 wurde Bergoglio zum Priester geweiht, bereits vier Jahre später (im Alter von nur 37 Jahren!) wurde er Provinzial seines Ordens für Argentinien (bis 1979). Von 1980 bis 1986 war er Rektor der Theologischen Fakultät der Jesuiten-Universität San Miguel in Buenos Aires. Nach Auslandsaufenthalten (auch in Deutschland) sowie der Tätigkeit als geistlicher Leiter eines Seminars in Córdoba wurde er 1992 von Papst Johannes Paul II. zum Weihbischof, 1998 zum Erzbischof von Buenos Aires und 2001 zum Kardinal ernannt. Im November 2005 wurde Kardinal Bergoglio zum Vorsitzenden der Argentinischen Bischofskonferenz gewählt und übte diese Funktion bis November 2011 aus. Am 13. März 2013 wurde er schließlich von den 115 wahlberechtigten Kardinäle zum – nach offizieller Lesart – 266. Papst der römisch-katholischen Kirche gewählt.

Als Jesuitenprovinzial in der Militärdiktatur

Der Militärputsch vom 24. März 1976 wurde von vielen katholischen Bischöfen begrüßt, sah man darin doch die „Verteidigung des Christentums gegen den gottlosen Kommunismus“. Außerdem waren die Diktatoren brave Messbesucher und auch in Moralfragen auf offizieller römischer Linie. Dennoch unterstützte nur eine Minderheit der Bischöfe offen die Militärdiktatur. Ein großer Teil der Hierarchie vertrat eine Position der „Neutralität“ und versuchte, sich aus den politischen Auseinandersetzungen herauszuhalten – was natürlich in der Konsequenz einer Legitimierung der politischen Macht nahekam. In den oberen Kirchenrängen gab es fast niemanden, der den Putsch und die nachfolgenden Verbrechen der Militärs klar verurteilte. Jesuitenprovinzial Bergoglio, der nicht der argentinischen Kirchenleitung angehörte, war am ehesten der Gruppe der „Neutralen“ zuzurechnen und verlangte von seinen Ordensbrüdern, sich an keinen „politischen Aktivitäten“ zu beteiligen. Darin lag auch der Ursprung des Konfliktes zwischen dem Provinzial und zwei Patres, die sich weigerten, auf seine Anweisung hin ihre Pfarrerstellen in einem Elendsviertel aufzugeben. Jalics und Yorio waren Anhänger der „Theologie der Befreiung“ und leisteten Sozialarbeit unter den Ärmsten. Deshalb wurden sie verdächtigt, mit der Guerillabewegung zusammenzuarbeiten. Zwei Monate nach dem Putsch wurden die beiden verhaftet, schwer gefoltert und erst nach über fünf Monaten wieder freigelassen (Yorio ging zuerst nach Rom und dann nach Uruguay, wo er im Jahr 2000 verstarb; der aus Ungarn stammende Jalics übersiedelte – nach einem Zwischenaufenthalt in den USA - nach Deutschland, wo er noch heute lebt). Der argentinische Enthüllungsjournalist Horacio Verbitsky, der selbst zur Zeit der Militärdiktatur in der Guerillabewegung aktiv war und die Hauptquelle der Vorwürfe gegen Bergoglio ist, hat in seinem Buch „El Silencio“ („Das Schweigen“) sowie in zahlreichen Zeitungsartikeln dem damaligen Jesuitenprovinzial vorgeworfen, Jalics und Yorio an die Militärs ausgeliefert zu haben. Dabei stützte sich Verbitsky auch auf mündliche Aussagen der beiden Jesuiten. Wenige Tage vor der Papstwahl 2005 erstattete der argentinische Menschenrechtsanwalt Marcelo Perrilli bei der Staatsanwaltschaft in Buenos Aires Strafanzeige gegen Kardinal Bergoglio wegen des Verdachts auf Verwicklung in die Entführung der beiden Jesuitenpatres im Jahr 1976. Angeblich soll diese Anzeige auch mit dazu beigetragen haben, dass Bergoglio, der in zwei Wahlgängen der aussichtsreichste Gegenkandidat zu Kardinal Ratzinger war, seine Kandidatur bei der Papstwahl zurückgezogen hat.

Gegen Bergoglio wurde keine Anklage erhoben. Als Zeuge vor Gericht sagte er 2010 über den Fall der beiden Jesuitenpatres: Er habe Jalics und Yorio nach dem Militärputsch vor den Gefahren gewarnt und ihnen Schutz im Jesuitenhaus angeboten, was diese abgelehnt hätten. Nach ihrer Verhaftung habe er sich für sie eingesetzt, u. a. in direkten Gesprächen mit den Junta-Führern Videla und Massera: „Ich habe getan, was ich – angesichts meines Alters und meiner wenigen Beziehungen – tun konnte, um den Verschwundenen zu helfen.“

Bereits wenige Stunden nach der Papstwahl 2013 flammte die Diskussion um die Geschehnisse von 1976 erneut auf. In Internetforen und sozialen Medien nicht nur in Argentinien, sondern weltweit wurden Berichte über die angebliche Komplizenschaft Bergoglios mit der argentinischen Militärdiktatur verbreitet (z. T. sogar nachweisliche Falschmeldungen bzw. gefälschte Fotos). Der argentinische Friedensnobelpreisträger 1980, Adolfo Perez Esquivel, – selbst Folteropfer der Diktatur – verteidigte hingegen den neugewählten Papst: „Es gab Bischöfe, die Komplizen der Diktatur waren, aber Bergoglio nicht. Im Gegenteil: Er hat viele gerettet und versteckt, die von der Militärdiktatur verfolgt wurden.“ Und P. Franz Jalics, einer der beiden Jesuiten, die Vorwürfe gegen Bergoglio erhoben hatten, meldete sich mit einer schriftlichen Erklärung zu Wort, in der es u. a. heißt: „Früher neigte ich selber zu der Ansicht, dass wir Opfer einer Anzeige geworden sind. Ende der 90er Jahre aber ist mir nach zahlreichen Gesprächen klar geworden, dass diese Vermutung unbegründet war. Es ist daher falsch zu behaupten, dass unsere Gefangennahme auf die Initiative von Pater Bergoglio geschehen ist.“ Der zweite betroffene Jesuitenpater, Orlando Yorio, war offenbar bis zu seinem Tod von einer Mitschuld Bergoglios an seiner Entführung im Jahre 1976 überzeugt.

Die französische Zeitung „La Croix“ hat inzwischen in Buenos Aires recherchiert, worauf sich die Vorwürfe des Journalisten Verbitsky stützen. Der entführte Jesuitenpater Yorio hatte die Information, dass er und Jalics auf Grund einer Beschwerde Bergoglios über Guerilla-Kontakte der beiden verhaftet worden seien, 1977 von einem kolumbianischen Jesuiten in Rom erhalten, der einer offensichtlichen Desinformation durch den Botschafter der argentinischen Junta beim Heiligen Stuhl aufgesessen war. Verbitskys zweite Quelle ist ein Aktenvermerk eines Beamten des Kultusministeriums in Buenos Aires aus dem Jahr 1979, in dem dieser davon abriet, „den Pass eines Agitators (Anm.: Franz Jalics), der 6 Monate… wegen des Verdachtes von Kontakten mit den Guerilleros festgehalten wurde… zu verlängern“ („La Croix“, 26. 3. 13). Der Beamte berief sich dabei auf Bergoglio, der allerdings den Verlängerungsantrag im Namen von Jalics eingebracht hatte. Der argentinische Menschenrechtsanwalt Leandro Despouy, der von 2003 bis 2009 UNO-Sonderberichterstatter für die Unabhängigkeit der Rechtssprechung war, hält es für absurd, „solchen Beamten Glauben zu schenken, die Verbrecher waren und denen es auf eine Lüge mehr nicht ankommt“.

Dennoch bleibt offen, warum sich bei Yorio und Jalics so lange die Überzeugung gehalten hat, dass Bergoglio sie „verraten“ habe. Da er sie nach dem Putsch vor die Alternative „Entweder das Armenviertel oder den Orden zu verlassen“ gestellt und darüber offenbar auch der Ordenszentrale in Rom berichtet hatte, fühlten sie sich von ihm im Stich gelassen und haben daher auch falschen Informationen Glauben geschenkt, wonach Bergoglio sie direkt bei der Junta angeschwärzt habe. Jalics berichtete auch von einer persönlichen Entschuldigung Bergoglios für Fehler, die dieser gemacht hat, und von der erfolgten Versöhnung mit ihm. Yorio starb leider unversöhnt – und die bitteren Vorwürfe gegen seinen früheren Provinzial werden nun von seiner Familie weitergetragen.

Vom Weihbischof zum „Kardinal der Armen“

Bergoglio wurde im Jahre 1992 dem erzkonservativen Kardinal von Buenos Aires und Vorsitzenden der argentinischen Bischofskonferenz, Antonio Quarracino, als Weihbischof zur Seite gestellt. Quarracino, der während der Militärdiktatur Bischof von Avellaneda war, wurde im Jahr 1978 als Apostolischer Visitator nach San Salvador geschickt, um dort die Amtsführung von Erzbischof Oscar Arnulfo Romero zu beobachten, der wegen seiner befreiungstheologischen Predigten von rechten Kreisen im Vatikan angezeigt worden war. Quarracino schlug in seinem Bericht eine de facto Entmachtung Romeros vor. Ob der Vatikan dieser Empfehlung nachgekommen wäre, weiß man nicht, da der Erzbischof von San Salvador am 24. März 1980 im Auftrag der Rechten ermordet wurde.

Nach dem Tod von Kardinal Quarracino am 28. Februar 1998 wurde Jorge Mario Bergoglio zunächst sein Nachfolger als Erzbischof von Buenos Aires, 2001 ernannte ihn Papst Johannes Paul II. auch zum Kardinal. Es versteht sich von selbst, dass für eine solche kirchliche Schlüsselfunktion nur ein Mann in Frage kam, der in der Theologie absolut romtreu war. Bis 1990 (also während des Kalten Krieges) war das entscheidende Kriterium bei der Neuernennung von Kardinälen in Lateinamerika, dass diese die Befreiungstheologie ablehnten – und stramm antikommunistisch ausgerichtet sein mussten, wodurch vor allem in den 1980er Jahren zunehmend Anhänger des reaktionär-elitären „Opus-Dei“ zum Zug kamen. Die Verschärfung innerkirchlicher Spannungen führte dann zu einer gewissen Abmilderung der vatikanischen Personalpolitik in Lateinamerika: zwar gab es keine prinzipielle Abkehr von den bisherigen Auswahlkriterien, doch wurden eher gemäßigtere Konservative mit einer gewissen sozialen Sensibilität ernannt. Diese Kriterien trafen offenbar auf Bergoglio zu.

Nachdem es bereits 2003 wegen der Abschaffung der Amnestiegesetze für Juntaverbrechen zu Spannungen zwischen Präsident Néstor Kirchner einerseits und Kardinal Bergoglio sowie der Bischofskonferenz andererseits gekommen war, führte die Liberalisierung der Abtreibungsgesetze und die Gleichstellung homosexueller Paare zum offenen Konflikt. Als Bergoglio 2010 die Homo-Ehe als „Angriff auf den Plan Gottes“ und einen „Schachzug des Teufels“ bezeichnete, antwortete Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner scharf: Sie fühle sich an „die Zeiten des Mittelalters und die Inquisition“ erinnert. Allerdings muss man auch darauf hinweisen, dass Bergoglio in Fragen der Sexualmoral nur die offizielle Haltung der römisch-katholischen Kirche vertreten hat. Hätte er das nicht getan, wäre er wohl kaum von Johannes Paul II. zum Kardinal ernannt und von über 80 Prozent der Kardinäle zum Papst gewählt worden.

Trotz seiner konservativen theologischen Positionen hat sich Bergoglio in Argentinien bei der militanten katholischen Rechten – wie vor allem dem traditionalistischen Instituto del Verbo Encarnado (IVE – Institut des fleischgewordenen Wortes) – keine Freunde gemacht. Das IVE wurde 1984 in Argentinien gegründet und hat sich von dort in 37 Länder auf fünf Kontinenten ausgebreitet. Als Bergoglio Erzbischof von Buenos Aires wurde, schloss die argentinische Bischofskonferenz das Seminar des IVE und stoppte dessen Priesterweihen. Über den Gründer und andere Amtsträger des Instituts wurden Restriktionen verhängt. Aber mit Hilfe des damaligen vatikanischen Kardinalstaatssekretärs Angelo Sodano wurde der Hauptsitz des IVE in die kleine italienische Diözese Velletri-Segni verlegt, die zur Kirchenprovinz Rom gehört und formell von einem Kurienkardinal geleitet wird (bis 2005 war das Kardinal Ratzinger, seither der nigerianische Kurienkardinal Francis Arinze). Auf diese Weise konnten die Restriktionen der argentinischen Bischofskonferenz umgangen werden. Außerdem verschaffte Sodano im Jahr 2004 dem Institut den kirchenrechtlichen Status einer „Kongregation bischöflichen Rechts“. Bergoglio hatte also schon seit Beginn seiner Kardinalslaufbahn einen Konflikt mit dem Zentrum der Kurie, was ihn sicher auch für eine Reform dieser vatikanischen Behörde motivieren wird.

Die Popularität, die Bergoglio in den 14 Jahren als Erzbischof von Buenos Aires gewonnen hat, ist vor allem seinem einfachen Lebensstil und seiner glaubwürdigen Solidarität mit den Armen zu verdanken. Er wohnte in einem gewöhnlichen Miet-Appartement und nicht im erzbischöflichen Palais. Für den Weg zur Arbeit nutzte er öffentliche Verkehrsmittel statt der Dienst-Limousine. Zu Weihnachten und Ostern besuchte er ein Krankenhaus für arme Kinder oder ein Gefängnis. Der Koordinator der argentinischen „Priester mit einer Option für die Armen“, Jesuitenpater Eduardo de la Serna, sagte über seinen Ordensbruder Bergoglio, er sei als Erzbischof – nach einer Reihe von „Kirchenfürsten“ - der erste „Hirte“ gewesen, der sich bewusst den Menschen genähert und die Füße von AIDS-Kranken oder schwangeren Frauen gewaschen und die Lumpensammler auf der Plaza de la Constitución gesegnet hat. Er hat sich jedoch nicht auf sozial-caritative Tätigkeit beschränkt, sondern auch Kritik am Wirtschaftssystem geübt: „Wir leben in einem Teil der Welt, der am meisten gewachsen ist und dennoch die Armut am wenigsten verringert hat“, sagte er bei einem Treffen lateinamerikanischer Bischöfe. „Die ungleiche Verteilung der Güter ist eine soziale Sünde, die zum Himmel schreit und so vielen Brüdern und Schwestern die Möglichkeit eines erfüllten Lebens vorenthält.“

Papst Franziskus setzt Zeichen

Dass Bergoglio in einem der kürzeste Konklave der Geschichte mit so großer Mehrheit (über 80 Prozent) zum Papst gewählt wurde, ist jedenfalls auch Ausdruck der großen Unzufriedenheit mit der römischen Kurie angesichts diverser Skandale und der Erwartung, dass ein lateinamerikanischer Papst, der aber zugleich Italiener ist, und der in keiner Weise in das Intrigengeflecht der Zentrale eingebunden war, am ehesten eine Kurienreform auf den Weg bringen könnte. Der Münchner Kardinal Reinhard Marx sagte zwei Wochen nach der Papstwahl über die Stimmung im Konklave: „Es war ein Grundgefühl bei den Kardinälen, dass sich etwas ändern muss, dass man Zuständigkeiten neu überlegen muss, dass man die Skandale der Vergangenheit aufarbeiten muss.“ Dennoch war es überraschend, dass Bergoglio sich mit der Namenswahl keinen bisherigen Papst der Kirchengeschichte zum Vorbild nahm, sondern den italienischen Bettelmönch und Wanderprediger Franziskus (1181 – 1226). Beim Empfang für Medienmitarbeiter begründete er seine Namenswahl: „Franz von Assisi ist für mich der Mann der Armut, der Mann des Friedens, der Mann, der die Schöpfung liebt und bewahrt.“ Und er bekräftigte, dass seine Wunschvorstellung eine „arme Kirche für die Armen“ sei.

Das ist wohl auch der Grund, warum so viele vom Vatikan gemaßregelte Kirchenkritiker (wie Hans Küng) und Befreiungstheologen (wie Leonardo Boff), aber auch fortschrittliche Bischöfe (wie Erwin Kräutler) durchaus Hoffnungen in den neuen Papst setzen. Küng kommentierte dessen ersten Auftritte so: „Es ist bereits nach den ersten Tagen ein radikaler Wandel zu sehen. Das gibt Hoffnung, dass der neue Papst auch noch zu weiterem Wandel fähig ist.“ Und Boff sagte: „Ich bin ermutigt von dieser Wahl, die ich als ein Versprechen für eine Kirche der Einfachheit und der ökologischen Ideale betrachte… Er ist in die Slums gegangen und hat mit den Menschen dort gesprochen, er hat soziale Ungerechtigkeiten angeprangert. Und er hat vorgelebt, was er predigte.“ Der aus Vorarlberg stammende brasilianische Bischof Kräutler, der u. a. auch Träger des Bruno-Kreisky-Preises für Menschenrechte ist, meinte in einem SPIEGEL-Interview: „Franziskus ist ein offener Mensch und ein guter Seelsorger, das lässt hoffen.“

Papst Franziskus, der sich in seinen Reden immer nur als „Bischof von Rom“ bezeichnete, hat sich auch mit demonstrativen Gesten der Bescheidenheit und Volksnähe deutlich vom Zeremoniell und Pomp seiner Amtsvorgänger abgesetzt, was bei den Medien und in der Öffentlichkeit gut angekommen ist, allerdings im Vatikan selbst – und vor allem bei traditionalistischen Katholiken – auch zu Missstimmung führte. „Die ultrakonservativen Katholiken haben derzeit Mühe mit der Papsttreue. Die Revolutionierung der päpstlichen Umgangsformen hat bereits viele der bisherigen Ratzingergetreuen erschüttert“, schrieb DER SPIEGEL und zitierte einen katholischen Traditionalisten: „Franziskus ist nicht demütig. Es ist Größenwahn zu glauben, das Papsttum neu erfinden und sich über das hinwegsetzen zu können, was 20 christliche Jahrhunderte geschaffen haben“. Auch die traditionalistische Piusbruderschaft, deren kirchliche Wiedereingliederung Benedikt XVI. besonders am Herzen lag, hat sich bereits deutlich von Aussagen des neuen Papstes – insbes. zum Dialog mit anderen Religionen – distanziert. Zusätzlichen Auftrieb erhielt die konservative Kritik durch die Gründonnerstagsmesse in einem römischen Jugendgefängnis: Papst Franziskus hatte dort auch Nichtchristen und Frauen die Füße gewaschen. Für säkularisierte Menschen klingt das nicht besonders spektakulär. Aber im katholischen Kontext ist es ein Tabubruch, da die Fußwaschung auf das Letzte Abendmahl zurückgeht, bei dem Jesus den zwölf Aposteln die Füße wusch. Und mit Hinweis darauf, dass Jesus nur Männer als Apostel auswählte, wird ja bis heute von der römisch-katholischen Kirche die volle Gleichstellung der Frauen – und vor allem deren Priesterweihe – abgelehnt. Vatikansprecher Federico Lombardi räumte ein, dass sich der Papst nicht an die römisch-katholischen Liturgieregeln gehalten habe, dies sei aber eine „situationsbedingte Ausnahme“ gewesen. Konservative Kritiker meinten hingegen, Franziskus habe damit ein „fragwürdiges Beispiel“ für den Umgang mit Kirchenregeln gegeben.

Dass der neue Papst aber durchaus widersprüchliche Signale aussendet, wurde gleich bei seiner ersten Predigt – vor den Kardinälen – deutlich. Befremdlich war vor allem ein Zitat des französischen katholischen Schriftstellers Léon Bloy (1846 – 1917), der eine radikale Christusnachfolge in totaler Armut. propagierte: „Wer nicht zum Herrn betet, betet zum Teufel. Wer sich nicht zu Christus bekennt, gibt die Welt der Weltlichkeit des Teufels anheim." Während der Papst sonst bei seinen ersten Auftritten bemüht war, auch Anders- oder Nichtgläubige anzusprechen, so wäre dieser Satz – wenn man ihn wörtlich nimmt – nichts anderes als eine mehr als heftige Verdammung aller, die sich nicht zu Christus bekennen. Wenn man dazu noch seine Aussagen über Homo-Ehe in Argentinien nimmt, so ist irritierend, dass der Teufel offenbar eine wichtige Rolle im Denken von Papst Franziskus spielt.

Welche Weichen das neue Oberhaupt für die Zukunft der katholischen Kirche stellen wird, sollte sich schon bald bei der Neubesetzung der vatikanischen Zentralstellen zeigen. Weitere dringende Herausforderungen, die er ebenfalls rasch in Angriff nehmen muss, sind die Reform der Kurie und die Zukunft der vatikanischen Finanzen (vor allem der Vatikanbank) – Stichwort: „eine arme Kirche für die Armen!“ –, die Aufarbeitung und Verhinderung von Missbrauchsfällen etc. Bergoglios kirchliche Karriere war von vielen Widersprüchen und Ambivalenzen gekennzeichnet. Als Papst Franziskus wird er nun an seiner eigenen Zielsetzung zu messen sein. Allerdings: Änderungen in Glaubens- oder Moralfragen wird es unter diesem Papst wohl nicht geben, aber doch so manche Überraschungen in der Ausübung seines Amtes und im Umgang mit tradierten Kirchenregeln.

 

Thomas Hennefeld
Schatten und Licht über dem neuen Pontifex

Dem Medientross ist es egal, ob ein Mann aus einer Kugel in 40.000 Meter Höhe springt, ein Blaublütiger heiratet, eine Naturkatastrophe mit Hunderttausenden Toten hereinbricht oder eben ein neuer Papst gewählt wird. Hauptsache, es gibt etwas Sensationelles zu berichten. Medien sprechen ja gerne in Superlativen. Und so war es auch, als unzählige Journalisten und Fernsehstationen vor einigen Wochen in Rom versammelt waren, um gespannt zu warten, wer da auf den Balkon treten werde, nachdem eine Stunde zuvor schon weißer Rauch aus der Sixtinischen Kapelle aufgestiegen war. Bald schon verebbte der Medienrummel um den neuen Bischof von Rom, aber die Frage stellt sich noch immer, wie die Amtsführung des neuen Oberhauptes der Römisch-katholischen Kirche ausschauen wird.

Die Hoffnung, dass Zeichen des Aufbruchs aus Rom kämen, war in den letzten Jahrzehnten geschwunden. Aus protestantischer Sicht hat sich die römisch-katholische Kirche eher rückwärtsbewegt. Mit dem neuen Pontifikat wächst die Hoffnung auf Veränderung wieder, wobei jegliche Art von Euphorie nicht angebracht ist. Schließlich darf man nicht vergessen, dass die beiden letzten Päpste hauptsächlich konservative bis reaktionäre Bischöfe zu Kardinälen ernannt haben.

Der Rücktritt von Papst Benedikt war schon ein revolutionärer Schritt. Ein Papst kann wie ein gewöhnlich Sterblicher sich einfach aus seinem Amt verabschieden. Schwer verdauliche Kost für so manchen hartgesottenen Katholiken. Der neu gewählte Papst kommt zum ersten Mal nicht aus Europa, sondern aus Lateinamerika, aus einem Kontinent, in dem die Befreiungstheologie entstanden ist. Der neue Papst war nie Anhänger der Befreiungstheologie, aber er betont, dass Kirche eine Kirche der Armen sein sollte. Und ganz in diesem Sinn gab er sich den Namen Franziskus I, nach Franz von Assisis, dem Begründer der Bettelorden. Schon zu Beginn seines Pontifikats war Franziskus I. mit schweren Vorwürfen bezüglich seiner Vergangenheit konfrontiert. Er soll in der Zeit der Militärdiktatur eine umstrittene Rolle gespielt haben.

Tatsache ist, dass er sich für die Verbrechen der Kirche in der Zeit des schrecklichen Militärregimes entschuldigt hat, aber gleichzeitig auch einen Schlussstrich unter die Vergangenheit forderte.

Gerade gesellschaftspolitisch sind keine große Veränderungen zu erwarten. Franziskus wetterte schon als Kardinal gegen die Homosexualität und gegen Abtreibung und sprach im Zusammenhang damit von Werken des Teufels. Es ist beeindruckend, wie schlicht Franziskus auftritt und absolut keine Allüren an den Tag legt. Es ist auch bezeichnend, dass er sich lieber als Bischof von Rom bezeichnet denn als Papst. Dennoch, er wird an seinen Worten und Taten zu messen sein und daran, in welche Richtung er diesen riesigen Tanker römisch-katholische Weltkirche bewegen wird. Es gibt aber einige Anzeichen, dass er nicht neue Mauern errichten wird, sondern seinem Namen „Pontifex“ alle Ehre macht und zum Brückenbauer wird. Möge er nicht nur die Brücke zur Orthodoxie und zu anderen Religionen schlagen, sondern auch zu den protestantischen Kirchen, die ja Demut und Einfachheit schon vor 500 Jahren gelebt haben.

 

Bernardeth Carmen Caero Bustillos
Lebenskultur des Schalom als Dienst des Papstes an der Weltkirche

Das Ereignis der Papstwahl, das nicht nur ChristInnen verfolgt haben, schenkt den KatholikInnen, vor allem in Lateinamerika, Hoffnung auf eine Kirche, die mutig ist, ihr geschichtliches Bewusstsein wahrzunehmen. Das bedeutet, das Leben in Schalom und eine Zeit der Wandlung hin zu Demut und Dienst zu ermöglichen. Dass der neue Papst den Namen Franziskus gewählt hat, ist ein Zeichen der Demut und der Solidarität mit dem Leben in all seinen Facetten.

Es geht darum Orte des Schalom zu schaffen. Schalom beinhaltet alle Bereiche des menschlichen Lebens, wie z. B. die Beziehung zu Gott, zu Menschen, zum Universum. Es geht um die spirituelle und psychologische Harmonie, es geht um eine gerechte Arbeit und einen gerechten Lohn. Letztendlich geht es um den Schutz des Lebens vor jeder Gewalt. "Die Verkündigung des Evangeliums hängt nicht von großen Programmen und Strukturen ab, sondern von neuen Männern und neuen Frauen"1. Neu können wir werden, wenn wir uns als Frauen und Männer jeden Alters auf den Weg der Gerechtigkeit begeben, das macht uns zum wahren Abbild Gottes.

Das Johannesevangelium zeigt uns Jesus, den Sohn Gottes, als Freund (Joh 15), der bereit ist, sein Leben für seine Freunde zu geben. Er ist der, der seinen Freunden, Männern und Frauen, die Füße wäscht. Jesus nimmt nicht die Macht oder den Erfolg als Kriterium für seine Offenbarung, sondern er steht den Menschen als menschlicher Gott nahe, als einer, der sich ihre Freude oder Trauer zu eigen macht, der als Freund seine Jüngerinnen und Jünger begleitet. Die Haltung des Papstes Franziskus ist bereits ein Zeichen der Demut in der Begegnung mit den Menschen. Gerade diese menschliche Begegnung ist für die johanneische Gemeinde das Kennzeichen der Christuszugehörigkeit: "Ein neues Gebot gebe ich euch: Liebt einander! Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben. Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid: wenn ihr einander liebt" (Joh 13,34-35).

Obwohl Franziskus kein lateinamerikanischer Heiliger ist, verkörpert er die Realität der Menschen Lateinamerikas: die Freude am Leben, Harmonie mit der ganzen Schöpfung Gottes, Solidarität, das Miteinanderleben verschiedener Kulturen, aber auch Armut, Verfolgung, Ungerechtigkeit, Verletzung der Menschenrechte u. a. Dass der neue lateinamerikanische Papst Franziskus diese Lebenskultur des Schalom durch seinen Dienst in die ganze Weltkirche trägt, das wünschen wir uns in Lateinamerika von ihm.

Dr.in Bernardeth Carmen Caero Bustillos, Universidad Católica Boliviana "San Pablo", Cochabamba (Bolivien), Instituto Superior de Estudios Teológicos

1 aus dem Dokument der V. Lateinamerikanischen Bischofskonferenz in Aparecida, 5/2007

 Aus den ksoe-Nachrichten, www.ksoe.at, Bestelladresse shop@ksoe.at

 

TERMINE UND KURZMELDUNGEN:

30. Internationale Sommerakademie:
Flucht und Migaration – von Grenzen, Ängsten und Zukunftschancen

Sonntag, 30. Juni 15:00 Uhr bis 5. Juli, In Diskussionen, Workshops und Vorträgen gibt es ein breites Spektrum an verschiedenen ExpertInnen. Die ChristInnen für die Friedensbewegung organisieren wieder jeden Tag eine interreligiöse Meditation (wie im Vorjahr).

Der Bericht über Sommerakademie 2012 „Wege aus der Krise – Ideen und Konzepte für morgen“ mit den Referaten und dem bei der Sommerakademie erarbeiteten Schlaininger Manifest ist erschienen.

Dr. Thomas Roithner hat gemeinsam mit Johann Frank und Eva Huber ein neues Buch „Wieviel Sicherheit braucht der Friede? Zivile und militärische Näherungen zur österreichischen Sicherheitsstrategie“ herausgegeben.

Weitere Infos auf der neuen Homepage der Friedensburg:
http://www.aspr.peacecastle.eu/

 

Ökumenische Gottesdienste im Karl-Marx-Hof
finden jeweils um 10:00 Uhr in den Räumen des PensionistInnenclubs, Eingang Grinzinger Straße, Ecke Heiligenstädter Straße statt: Sonntag, 12. Mai, 2. Juni und 30. Juni

KAB Vesper
Die Vesper der Katholischen ArbeitnehmerInnenbewegung St. Pölten findet jeden letzten Sonntag im Monat um 20:00 Uhr im Jugendhaus Schacherhof in Seitenstetten (Bezirk Amstetten) statt (nicht in den Sommerferien).

Pax Christi Tirol
Stammtisch im Haus der Begegnung, Innsbruck „Friede – Gerechtigkeit – Schöpfung“, jeweils am letzten Donnerstag im Monat um 19:00 Uhr

Die Friedensinitiative 22
trifft sich jeden zweiten Dienstag im Monat um 19:00 Uhr in der Donaucitykirche, 1220 Wien, Donaucitystr. 2, U1 Kaisermühlen-VIC:
Dienstag, 14. Mai, 19:00 Uhr „Jesus und / oder Marx?“, Dr. Balazs Nemeth, Aktion Kritisches Christentum
Dienstag, 10. Sep., 19:00 Uhr, „Wieviel Sicherheit braucht der Friede – zivile und militärische Näherungen zur österr. Sicherheitsstrategie, Dr. Thomas Roithner (Friedensforschungsinstitut Schlaining)
Dienstag, 8. Okt., 19:00 Uhr „Afrika in Wien – auf schwarzen Spuren von gestern bis heute“, Dr. Walter Sauer (SADOCC)

Wir sind Kirche

Donnerstagsgebete für Reformen in der Katholischen Kirche:
Do., 16. Mai, 19:00 Uhr, Pfarre Maria Hietzing, 1130 Wien, Am Platz 1
Do., 23. Mai, 20:00 Uhr, Pfarre Hütteldorf, Im Pfarrzentrum, 1140  Wien, Hüttelbergstraße 1a

Lainzer Kreis, So., 26. Mai, 15:00 Uhr, Univ.-Prof. Dr. Basilius Jacobus Groen, "Neue Liturgieformen", Kardinal-König-Haus, 1130 Wien, Kardinal-König-Platz 3 (Lainzer Straße 138)

Mi., 29. Mai, 19.00 Uhr, Bibel in gerechter Sprache, Dr. Werner Krotz, Pfarre St. Gertrud, Pfarrheim, 1180 Wien, Maynollogasse 3

So., 16. Juni 2013,  9:00 Uhr zum Gottesdienst in der Pfarre St. Gertrud in Wien/Währing und anschließend Ausflug (Wanderung auf den Michelberg)

Evangelische Akademie
Mi., 15. Mai, 18:30 Uhr Christlich-Marxistischer Arbeitskreis, Warum der Sozialstaat ins Gerede kam?
Evangelische Akademie, 1090  Schwarzspanierstraße 13

 

Hernalser Vorstadtgespräche:
Donnerstag, 16. Mai, 19:00 Uhr,
„Der neue Papst Franziskus – Wende zu einer sozialeren Welt?“
mit Pfarrer Dr. Karl Engelmann (Dechant von Hernals), Abg. Dr. Josef Cap (SPÖ), Carla Amina Baghajati (Islamische Glaubensgemeinschaft), Adalbert Krims (Aktion Kritisches Christentum), LAbg. Dr. Kurt Stürzenbecher (Mod.);
1170 Wien, Kalvarienberggasse 28A, 2. Stock (Linie 43, Elterleinplatz)

SADOCC
Do., 16. Mai, 19:00 Uhr, Yves Hatungimana, Consulting Malawi Infrastructure, Technical Assistance to the Rural Infrastructure Development Programme, SADOCC-Bibliothek, 1040 Wien, Favoritenstraße 38/Stiege18/1

Papst Leo Preis 2013
Preisträger sind das sozial überaus engagierte Ehepaar Hermine und Konrad Piok aus Axams in Tirol und die Aktion „Brot für Brasilien“ des BRG Waidhofen/Ybbs (NÖ). Die Überreichung der Preise erfolgt am 17. Mai 2013 um 19:00 Uhr in Vereinshaus Horn, 3580 Robert Hamerlingstraße 8 durch Diözesanbischof DDr. Klaus Küng.

Als die Bücher brannten
Szenische Lesung mit Musik zur Erinnerung an die NS-Bücherverbrennungen am Dienstag, 28. Mai, 19:00 Uhr, Evangelische Pfarrgemeinde H.B., 1150  Wien, Schweglerstraße 39 (U3 Schweglerstraße)

St. Pölten Fest der Begegnung
Fr., 7. Juni, 18:00 Uhr Kurzfilme, 19:00 Uhr Podiumsdiskussion Gemeinsame Heimat, 21:00 Uhr Gruppe 'Matatu', Cinema Paradiso, 3100 Rathausplatz 15
Sa., 8. Juni 11:00 Uhr Openair am Rathausplatz St. Pölten: Musik, Tanz und Kulinarisches aus aller Welt, Kinderprogramm, Living Books Project, Live: Drum Brass Kollektiv, Koma Dem, 19:00 Uhr Tschuschenkapelle
Infos: http://festderbegegnung.dsp.at/

Friedenstand beim Donauinselfest
vom 21. bis 23. Juni 2013 bei der Gewerkschaft vida auf der Gewerkschaftsinsel (in der Nähe der U1 Donauinsel)

Pax Christi Wien
trifft sich wieder am Montag, 24. Juni 2013 um 18:00 Uhr in der Alten Burse, 1010  Wien, Sonnenfelsgasse 19 (U3 Stubentor).

Vorschau Hiroshima-Gedenken 2013
Dienstag, 6. August 2013, 18:00 Uhr Stephansplatz, 20:30 Uhr Laternenmarsch vom Stephansplatz zum Teich vor der Karlskirche
Freitag, 9. August 2013, 19:00 Uhr, Buddhistischen Lichterzeremonie bei der Wiener Friedenspagode, 1020  Wien, Hatenzufahrtsstraße
Samstag, 10. August, 10:00 Uhr – 13:00 Uhr, Friedensaktion in der FußgängerInnenzone in Melk
Infos: http://www.hiroshima.at/

E-Mail:
friedenschristinnen@gmx.at 
Friedensbüro: pax.vienna@chello.at

BITTE UM SPENDEN
an Konto IBAN AT47 2011 1000 0403 2675,
BIC GIBAATWW
Aktionsgemeinschaft Christen f. d. Friedensbewegung

 

Impressum: MedieninhaberIn, HerausgeberIn, VerlegerIn: Verein "Unterstützungsausschuss zur Förderung der Österreichischen Friedensbewegung", ZVR-Zahl 223988557, alle: 1170 Wien, Rosensteingasse 69/6. Gestaltung dieser Ausgabe: Andreas Pecha, Alois Reisenbichler, Sabine Strobl. Druck: Die Kopie, 1010  Wien, Franz Josefs-Kai 33

Offenlegung nach § 25 Mediengesetz: EigentümerIn: 100 % Verein "Unterstützungsausschuss zur Förderung der Österreichischen Friedensbewegung". Blattlinie: Die Zeitung ist Organ des oben genannten Vereines. Sie tritt in ihren Artikeln für Frieden, Abrüstung, Völkerverständigung und soziale Gerechtigkeit ein. Diese Zeitschrift ist eine Plattform für den Dialog zu aktuellen Fragen der Friedenspolitik.

Das „Informationsblatt der Christinnen und Christen für die Friedensbewegung“ erscheint unter dem Zeitungstitel „Betrifft Frieden“ – Redaktion und Adressverwaltung bleiben eigenständig.

 



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