2015-2-Juni 2015

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BETRIFFT FRIEDEN Nr. 2 / 2015
Informationsblatt
der Christinnen u. Christen für die Friedensbewegung - Nr. 2/2015

Liebe Friedensfreundin, lieber Friedensfreund,

das nächste Treffen findet am

 Sonntag, dem 7. Juni 2015 in der Evang. Pfarrgemeinde H.B. Wien-West,
1150 Wien, Schwegler Straße 39 (U3 „Schwegler Straße“) statt.

Das Treffen beginnt um 14:30 Uhr.
Dr. Peter Jünnemann, jahrzehntelang engagiert in der Caritas und bei Pax Christi, spricht um 16:00 Uhr über "Solidarität mit den Armen, Gerechtigkeit und Barmherzigkeit - Caritas vor neuen Herausforderungen"

Inhalt:
Franz Sieder, Das Werden einer gerechteren und friedlicheren Welt
Thomas Roithner, Trojanischer Krieg und Potjomkinsches Dorf
Andreas Zumach, Konferenz zu Atomwaffensperrvertrag: Atomwaffen bleiben im Dienst
Thomas Hennefeld, Hier bin ich Mensch. Hier darf ich´s sein. – Auch ohne Einkauf

 

Franz Sieder
Das Werden einer gerechteren und friedlicheren Welt
Predigt beim Gottesdienst am Sonntag 12. April 2015 im Wiener Stephansdom

Die Botschaft von Ostern hat drei Dimensionen: Die erste Dimension ist die Auferstehung von Jesus. Jesus hat durch seine Auferstehung am stärksten seine Göttlichkeit bezeugt. Wenn Jesus nicht vom Tod auferstanden wäre, dann wäre er auch heute nach 2000 Jahren längst vergessen. Die Auferstehung Jesus ist das Zentrum unseres Glaubens.

Die zweite Dimension der österlichen Botschaft ist unsere eigene Auferstehung. Der heilige Paulus sagt es in seinem Brief an die Korinther: „Wenn Christus auferstanden ist, dann werden auch wir auferstehen zu einem neuen Leben.“ Seine Auferstehung ist auch die Garantie dafür, dass unser Leben nicht im Nichts endet, sondern dass seine Verheißungen wahr sind und er hat uns verheißen: „Ich gehe heim zu meinem und zu eurem Vater, um euch eine Wohnung zu bereiten, damit wo ich bin, auch ihr einmal sein sollt.“ Das heutige Evangelium mit dem zweifelnden Thomas sagt uns, dass sich auch in unserem Osterglauben Zweifel einschleichen können. Auch wir sind manchmal zweifelnde Thomase. Diese Zweifel machen uns aber noch nicht ungläubig. Der Theologe Romano Guardini sagte: „Glauben heißt, seine Zweifel auch ertragen können.“ Die Botschaft Jesu sagt uns auch, dass am Ende unseres Lebens vor Gott nicht das entscheidende Kriterium darin besteht, ob er unser Leben annimmt oder nicht – das Fürwahrhalten der Glaubenswahrheiten ist – wir dürfen am Ende auch als zweifelnder Thomas vor Gott hintreten.

Was aber dann vor Gott wichtig ist, das ist die dritte Dimension des Osterglaubens. Die dritte Dimension heißt, dass es auch Auferstehung hier auf unserer Welt gibt und dass wir bei diesem Auferstehungsprozess mitarbeiten sollen. Über diese unsere Mitarbeit oder Nichtmitarbeit müssen wir einmal Rechenschaft ablegen, wenn unser Leben zu Ende geht. Jesus sagt uns in seiner Weltgerichtsrede, dass Gott uns dann fragt, ob wir den Hungrigen zu essen gegeben haben oder ob wir Egoisten waren – ob wir ein Herz für die Fremden und Ausländer / Ausländerinnen gehabt haben oder ob wir Ausländerhasser gewesen sind. Jesus hat uns klar und unmissverständlich gesagt, dass unsere erste Aufgabe hier auf dieser Welt ist, dass wir bereit sind, mitzuarbeiten am Werden des Reiches Gottes hier auf Erden – und das ist nichts anderes als bereit zu sein zur Mitarbeit, dass unsere Welt in all ihren Bereichen menschlicher, gerechter und friedlicher wird. Das ist die entscheidende Berufung, die jeder Mensch von Gott hat.

Auch wenn wir noch so viel Ungerechtigkeit begegnen, so gibt es doch einen Wachstumsprozess, was Gerechtigkeit und Frieden angelangt. Ich bin Arbeiter- und Betriebsseelsorger und ich erlebe in der Arbeitswelt, dass durch die Gewerkschaft vieles menschlicher geworden ist. Auch durch Parteien, die nicht den Reichen zuarbeiten, ist politisch ein soziales Netz geknüpft worden. Ich arbeite auch als Friedensaktivist bei den Christinnen und Christen für die Friedensbewegung und bei Pax Christi mit. Wir wissen alle, dass es weltweit noch viele Ungerechtigkeiten und auch militärische Konflikte gibt – aber es ist positiv und nicht selbstverständlich, dass Angriffs- und Eroberungskriege heute weltweit geächtet werden. Ein Napoleon wurde noch für seine Eroberungskriege bewundert und als großer Held verehrt. Wir sollen auch einen Blick bekommen für das Wachsen des Reiches Gottes in unserer Welt. Dort wo Menschen sich einsetzen für Gerechtigkeit und Frieden, dort wirkt Gott mit an diesem Prozess der Auferstehung.

Die Kirche tut heute sehr viel, wenn es darum geht, den Armen zu helfen und Caritas zu üben. Caritas und Almosen sind aber zu wenig, um eine gerechtere Welt herbeizuführen und allen Menschen unserer Erde ein gutes und menschenwürdiges Leben zu ermöglichen. Ich muss leider hier auch zugeben, dass die Kirche immer stark war in der Caritas, dass sie aber schwach war in der Gerechtigkeit. Gerechtigkeit hängt immer mit den Strukturen zusammen, besonders mit den Wirtschaftsstrukturen. Gerechtigkeit ist in Strukturen gegossene Liebe. Die Armut kann nicht vorrangig mit Almosen bekämpft werden. Wir müssen auf der Welt Wirtschaftsstrukturen schaffen, wo die Kluft zwischen Arm und Reich nicht mehr auseinander geht, wo ein gutes Leben für alle Menschen unserer Erde möglich wird.

Momentan gibt es diese Strukturen nicht, weil die Strukturen der neoliberalen Wirtschaft nicht das Wohl des Menschen im Blickpunkt haben, sondern nur die Profitmaximierung. In der Wirtschaft steht nicht der Mensch im Mittelpunkt und darum hat Papst Franziskus Recht, wenn er sagt, dass diese Wirtschaft tötet. Es müssen durch die Politik Strukturen und Regeln geschaffen werden, die eine permanente, eine nachhaltige Umverteilung von Reich zu Arm möglich machen. Wir brauchen eine Dominanz der Politik über die Wirtschaft und nicht umgekehrt. Wir brauchen aber auch eine Politik, die eine klare Option für die Schwachen und Zukurzgekommenen hat. Die Politik ist ungeheuer wichtig, wenn es um Gerechtigkeit und die Bekämpfung der Armut geht. Die Politik ist die effizienteste Form der Nächstenliebe.

Unser momentanes neoliberales Wirtschaftssystem produziert jedes Jahr Millionen von Hungertoten. Der Hunger und die Armut sind kein Schicksal, sondern der Hunger wird gemacht durch ein verbrecherisches System, dass es möglich macht, dass die Reichen immer noch reicher und die Armen immer noch ärmer werden. Ich verurteile nicht einen Bill Gates oder einen Dietrich Mateschitz, weil sie Millionäre sind, aber ich verurteile das System, das es möglich macht und zulässt, dass sie so reich werden. Bert Brecht hat Recht mit seinen Ausspruch: „Wärst du nicht reich, wär ich nicht arm.“ Reichtum und Armut hängen zusammen. Für mich ist auch der Satz unbefriedigend: „Es wäre genug für alle da, wenn es die Gier der Reichen nicht gäbe.“ Wir haben politisch die Möglichkeit, die Gier der Reichen zu zügeln. Steuergerechtigkeit und Umverteilung sind ein Gebot des Evangeliums. Solange es diese eklatante Ungerechtigkeit in der Verteilung der Güter gibt und solange die Schere zwischen Arm und Reich nicht geschlossen wird, wird es auch keinen dauerhaften Frieden auf unserer Welt geben.

Der heilige Ambrosius sagte schon im 4. Jahrhundert nach Christus: „Es ist nicht dein Gut, mit dem du dich den Armen gegenüber großzügig erweist. Du gibst ihnen nur zurück, was ihnen gehört und was zur allgemeinen Nutzung bestimmt ist. Die Erde ist für alle da, nicht nur für die Reichen.“

Das Werden des Reiches Gottes – das Werden einer gerechteren und friedlicheren Welt – das ist der Prozess der Auferstehung hier auf Erden. Dass dieser Prozess sehr langsam vor sich geht, daran ist nicht Gott schuld, sondern die Gleichgültigkeit der Menschen. Papst Franziskus sprach von einer Globalisierung der Gleichgültigkeit. Wir dürfen nicht Zuschauerinnen und Zuschauer spielen im Weltgeschehen. Es ist auch zu wenig nur Caritas zu üben – wir müssen auch Kämpferinnen und Kämpfer für Gerechtigkeit werden.

 

Thomas Roithner
Trojanischer Krieg und Potjomkinsches Dorf
Österreichs Beiträge zur EU-Auslandseinsatzpolitik sind überwiegend militärisch

So zufällig wie unrichtig der Zusammenhang, so zutreffend in einem anderen übertragenen Sinne. Konflikte und Kriegslist in Griechenland und Russland. Im Bauch des hölzernen Pferdes versteckten sich nach der griechischen Mythologie einst Soldat_innen, um nächtens das Lager des Feindes zum Sturme zu öffnen. Ob es die Dörfer von Feldmarschall Potjomkin wirklich gab, ist umstritten. Ob Sage oder Wirklichkeit, jedenfalls sollte der russischen Zarin durch bemalte Kulissen im eroberten Neurussland ein anderer Schein vermittelt werden.

EU-Auslandseinsätze

Seit 2003 hat die EU 33 zivile, militärische und zivil-militärische globale Auslandseinsätze durchgeführt. Militärs und Zivilist_innen kommen dabei aus den EU-Mitgliedstaaten. 10 Einsätze haben einen militärischen Charakter, 22 gelten als zivile Einsätze und 1 Einsatz wies einen Mischcharakter (Sudan/Darfur) auf. Ein genauer Blick zeigt, dass im zivilen Bereich lediglich 24,73 % (samt lokaler Kräfte) des gesamten entsendeten Personals eingesetzt wurden, wobei Polizeikräfte als „zivil“ gelten. Knapp über drei Viertel sind also Militärs. Von den zivilen EU-Einsätzen sind es 10, die 50 oder weniger Personen im Feld haben.

Beitrag Österreichs

Eine parlamentarische Anfrage der Abgeordneten Tanja Windbüchler-Souschill – erstmals veröffentlicht in der Neuen Zürcher Zeitung nzz.at – zeigt eine unschöne Facette zu den heimischen Beiträgen. Von der Stärkung der angeblichen „Zivilmacht EU“ kann nicht gesprochen werden.

In allen EU-Auslandseinsätzen (Ukraine ist unberücksichtigt) mit österreichischer Beteiligung wurden 604 Militärs, 53 Personen aus dem Polizeibereich, 8 aus dem Justizbereich (4 Richter, 4 Justizwachebeamte) und 6 weitere Personen (Expert_innen u.a. zu Menschenrechten und Gender, politischer Berater, Zollbeamtin, Kabinettschef) entsandt.

Von den insgesamt 671 eingesetzten Personen Österreichs entfallen auf den „Zivil“-Bereich 67, also 9,99%. Ohne Polizei beträgt der Anteil 2,09 %. Österreich versteht im EU-Kontext „Zivil“ also primär als Polizei. Österreich unterbietet das ohnehin geringe zivile eingesetzte EU-Personal (~ 25 %) und leistet damit mehr Beiträge zu einer Militärmacht EU als sich konkret operativ für einen zivilen Paradigmenwechsel zu engagieren. Die Kritik aus der Entwicklungspolitik über das geringe Budget glänzt auf ein und derselben Medaille wie die Beiträge zur Militarisierung der EU.

Diese Zwischenbilanz ist ein dringlicher Appell, nichtstaatliche zivile Ansätze zu fördern und zum Einsatz zu bringen, die sich u.a. in potenziellen Krisengebieten auf gewaltfreier Basis mit ziviler Krisenprävention, Versöhnung und Dialogstiftung beschäftigen. Der staatliche offenbar überwiegend militärische Ansatz muss um zivile nichtstaatliche Angebote erweitert werden.

Missverhältnis Zivil – Militär

Das EU-Parlament – üblicherweise kein friedenspolitisches Korrektiv zu Rat, Kommission oder zur Hohen Vertreterin – meint, „dass – wegen der Tatsache, dass der Schwerpunkt hauptsächlich auf die militärische Dimension der ESVP gelegt wird – im Bereich der zivilen Fähigkeiten und der Konfliktverhütung Fortschritte viel zu langsam erreicht werden“. Politisch prioritäre und personell dominierende Militäreinsätze sind die fatale Folge und das Gegenteil einer echten Zivilmacht.

Thomas Roithner, Friedensforscher und Journalist, Privatdozent am Institut für Politikwissenschaft der Universität Wien, www.thomasroithner.at , aus  Spinnrad 1 / 2015, Zeitschrift des Internationalen Versöhnungsbundes http://www.versoehnungsbund.at/

 

Andreas Zumach
Konferenz zu Atomwaffensperrvertrag: Atomwaffen bleiben im Dienst

Die Konferenz zum Atomwaffensperrvertrag ist gescheitert. 107 Staaten fordern vergeblich ein völkerrechtliches Verbot von Atomwaffen.

GENF taz | Die drei offiziellen Atomwaffenstaaten USA, Großbritannien und Frankreich sowie Deutschland und einige wenige weitere Länder lehnen Verhandlungen über eine massenvernichtungswaffenfreie Zone im Nahen und Mittleren Osten ab. Zumindest solange, wie Israel, der einzige Atomwaffenstaat der Region, gegen derartige Verhandlungen ist. An dieser Haltung scheiterte am Wochenende in New York die alle fünf Jahre stattfindende Überprüfungskonferenz zum Atomwaffensperrvertrag (Non Proliferation Treaty, NPT).

Dabei wollten rund 180 der 191 NPT-Vertragsstaaten das Abschlussdokument unterzeichnen – darunter die Atomwaffenmächte Russland und China. Hinter den Kulissen warb Israel, das nicht Mitglied des NPT ist, aber erstmals als Beobachter an einer Überprüfungskonferenz teilnahm, intensiv für die Ablehnung des Dokuments.

Der nach vierwöchigen Verhandlungen vorgelegte Entwurf, dessen Annahme nach den NPT-Regeln den Konsens aller teilnehmenden Staaten erfordert hätte, enthielt den Auftrag an UN-Generalsekretär Ban Ki Moon, spätestens bis zum 1. März 2016 eine Konferenz über eine massenvernichtungswaffenfreie Zone im Nahen und Mittleren Osten einzuberufen.

Bereits die letzte Überprüfungskonferenz im Mai 2010 hatte dem UN-Generalsekretär einen entsprechenden Auftrag zur Einberufung einer Konferenz bis zum Oktober 2012 erteilt. Da Israel, unterstützt von den Regierungen in Washington, Berlin und anderen westlichen Hauptstädten, aber seine Teilnahme verweigerte, konnte Ban diesen Auftrag nicht umsetzen.

Mehrheit für die „Humanitarian Pledge“

106 der 191 NPT-Vertragsstaaten stellten sich in New York hinter die Initiative Österreichs für Verhandlungen über ein umfassendes völkerrechtliches Verbot von Atomwaffen und die vollständige Verschrottung aller noch vorhandenen atomaren Massenvernichtungswaffen. Österreich hatte diese als „Humanitarian Pledge“ bezeichnete Initiative im Dezember 2014 auf der letzten von drei internationalen Konferenzen zu den humanitären Folgen des Einsatzes von Atomwaffen ergriffen. Diese drei Konferenzen kamen zu dem Ergebnis, dass eine Atomwaffenexplosion – ob absichtlich oder infolge eines Unfalls – katastrophale humanitäre Auswirkungen hätte und dass das Risiko einer solchen Explosion zunimmt. (…) Die Internationale Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen (Ican) sieht im „Humanitarian Pledge“ „einen Paradigmenwechsel für die nukleare Abrüstungsdebatte“.

Xanthe Hall von Ican Deutschland und Abrüstungsreferentin der Internationalen ÄrztInnen-Vereinigung gegen den Atomkrieg (IPPNW) erklärte in New York: „Mit dem Pledge beginnt eine neue Etappe in Richtung Atomwaffenverbot. Die internationale Unterstützung des Pledges zeigt, dass die Mehrheit der Staaten ein völkerrechtliches Verbot von Atomwaffen vorantreiben will, wenn nötig auch ohne die Atomwaffenstaaten.“  taz, 25. Mai 2015

 

Thomas Hennefeld
Hier bin ich Mensch. Hier darf ich´s sein. – Auch ohne Einkauf

„Hier bin ich Mensch. Hier kauf ich ein.“ Eine bekannte Handelskette wirbt mit diesem Slogan. Er ist wohl angelehnt an ein Zitat aus dem Osterspaziergang aus Goethes Faust.

Der Gelehrte verlässt zum ersten Mal sein Studierzimmer und entdeckt, wie wunderbar die Natur um ihn ist, jetzt, wo der Frühling erwacht. Und als er sich dem Dorf nähert, aus dem er fröhliche Stimmen vernimmt, ruft er die Worte aus: „Hier bin ich Mensch. Hier darf ich´s sein.“ Das kann so verstanden werden, dass er das Glück der Menschen spürt und sich für einen Moment mit ihnen eins fühlt. Es braucht nicht das Göttliche, wenn der Mensch hier auf der Erde schon sein ganzes Glück gefunden hat. Er muss nicht mehr das Paradies im Jenseits suchen, wenn es schon hier auf der Erde ihm entgegen leuchtet.

Glücklich durch Einkauf?

Umgemünzt auf den Werbeslogan würde das bedeuten: Beim Einkauf in hellen und gut sortierten Regalen finde ich mein ganzes Glück. Hier darf ich sein, ja sogar Mensch sein.

Nun wirbt der Unternehmer dieser Kette gerade damit, dass sich in seinen Märkten Konsumenten und Mitarbeiterinnen wohl fühlen sollen. Und doch ist dieser Spruch entlarvend. Denn er drückt ein Lebensgefühl aus, das Menschen von der Werbung fortwährend eingehämmert bekommen. Mensch bist du dort, wo du einkaufst. Und wenn du kaufst, dann wirst du glücklich, egal ob es sich um Zahnpasta, ein Möbelstück oder um ein Auto handelt.

Aber wie sieht es aus, wenn ich nicht einkaufe, das Einkaufen verweigere oder es auf ein Minimum beschränke? Bin ich dann auch noch Mensch? Bin ich dann asozial, wertlos, uninteressant? Immer mehr öffentliche Flächen werden zu Shopping Malls, ob auf Bahnhöfen oder in Fußgängerzonen. Und Menschen, die sich im öffentlichen Raum nur aufhalten wollen, ohne etwas Produktives zu tun, sind schon verdächtig. Und erst recht Menschen, die auch noch auffällig sind. Sie können auch weggewiesen werden. Der Umgang mit Bettlern und Obdachlosen wird immer rigoroser. Sie sind kein schöner Anblick. Sie könnten die Kauflaune der Kaufwilligen stören.

Die Würde des Einzelnen

In der Bibel lesen wir ganz andere Sätze. Da ruft der Prophet Jesaja: „Wohlan, alle, die ihr durstig seid, kommt her zum Wasser! Und die ihr kein Geld habt, kommt her, kauft und esst! Kommt her und kauft ohne Geld und umsonst Wein und Milch!“ Jesus ruft in die Menge: „Kommt her zu mir, die ihr mühselig und beladen seid.“ Und er meint damit nicht die Konsumenten, die unter der Last ihrer Einkäufe stöhnen, weil sie sie nicht mehr tragen können sondern jene, die auf andere Menschen angewiesen sind, materiell und seelisch.Für Faust war der Osterspaziergang eine willkommene Abwechslung. Und doch war er nur eine Ablenkung, denn zurück in seinem Studierzimmer, hat er den Pakt mit dem Teufel geschlossen.

Eine Gesellschaft, die sich nur noch vom wirtschaftlichen Nutzen leiten lässt, wird seelenlos, in dem Sinn, dass gerade die Würde des einzelnen auf der Strecke bleibt. Ich möchte in einer Gesellschaft leben, in der der Wert des einzelnen weder nach seinem Einkommen noch seiner Kaufkraft bemessen wird. Die Worte Jesu ernst nehmen, heißt für mich, gesellschaftliche Prozesse, Gesetze, politische Maßnahmen immer auch aus der Froschperspektive wahrzunehmen. So sehr ein Slogan, wie jener der besagten Handelskette auch menschenfreundlich gemeint sein mag, wie muss er auf jene wirken, die dort nicht einkaufen können?

Die Gesellschaft braucht nicht menschenfreundlichere Unternehmer, sondern ganz andere Konzepte, wie Wirtschaft funktionieren kann, wie das Erwirtschaftete gerechter verteilt werden kann, wie Arbeitnehmer viel stärker an Unternehmen beteiligt werden können. Statt christlicher Ethik in Unternehmen wären vielmehr neue gemeinschaftsbildende Strukturen notwendig. Ich wünsche mir eine Gesellschaft, in der alle Bürgerinnen und Bürger aus ganzem Herzen ausrufen können: Hier bin ich Mensch. Hier darf ich´s sein! (Ö1 Sendung „Zwischenruf“, 17. Mai 2015)

 

Termine & Infos

Deutscher Militärbischof zu Militärseelsorge und Auslandseinsatz 
Militärbischof Franz-Josef Overbeek in einem Interview (Wehrtechnik II/2015) zum Widerspruch christlichen Ethos der Gewaltlosigkeit und militärischer Gewaltanwendung: Gegenwärtig diskutieren wir diese Frage unter dem Titel einer Pflicht zur "responsibility to protect" als Grundsatz einer Ethik der internationalen Beziehungen, die auch bewaffnetes Eingreifen als letztes Mittel der Schutzverantwortung nicht ausschließen kann. Aber auch Gewalt, die mit Gründen der Schutzverantwortung gerechtfertigt wird, ist ein Übel. In diesem Rahmen organisierter Gewalt, die immer ein Übel bleibt, handeln Soldaten.

Solidarwerkstatt Linz
Freitag, 26. Juni 2015, Lange Nacht des Friedens: Die Waffen nieder!  Aktiv neutral statt EU-militarisiert!  Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg!, ab 16:00  Uhr im Schillerpark in Linz, Infos: http://www.friwe.at/

Die Friedensinitiative 22
trifft sich immer am zweiten Dienstag im Monat um 19:00 Uhr in der Donaucitykirche, 1220 Wien, Donaucitystr. 2, U1 Kaisermühlen-VIC:
Di., 8. Sep., Israel und Palästina zwischen Dauerkonflikt und Friedenshoffnung, Mag. Thomas Hennefeld
Di., 13. Okt., Islam zwischen IS und Integration, Carla Amina Baghajati
Di., 10. Nov., Die Ringstraße zwischen Salon und Demonstration, Petra Unger (angefragt)
Di., 15. Dez., Syrien muss leben, Dr. Leo Gabriel

Interreligiöses Friedensfest
am Samstag, 13. Juni, 14:00 Uhr bis 18:30 Uhr im Festzelt im Vogelweidpark hinter der Stadthalle, 1150 Wien, bei Regen Schieberkammer (Meiselstraße / Eduard-Sueß-Gasse), mit Vienna International Gospel Choir, Schulchor des Islamischen Gymnasiums, Schulband des Schulzentrum Friesgasse, Fotowettbewerb, Podiumsdiskussion mit VertreterInnen der Religionen.

SADDOC
Am Donnerstag, 18. Juni 2015 wird um 19:00 Uhr in der SADOCC-Bibliothek, 1040 Wien, Favoritenstraße 38/18/1 die deutschsprachige Ausgabe des Standardwerkes von Marion Wallace (London) „Geschichte Namibias“ präsentiert.

Wir sind Kirche
25./26. September im Kolpinghaus Salzburg: 20 Jahre Wir sind Kirche, FEIER MIT FEUER, Podiumsdiskussion mit den Vorsitzenden der Reformbewegungen (A und D), Kabarett „Bibel on Tour“, Feuershow mit Freudenfeuer, Zeit und Raum für gute Gespräche, Essen und Trinken, Eucharistiefeier, Kinderbetreuung auf Anfrage, Infos: http://www.wir-sind-kirche.at/

Pax Christi Steiermark
Dienstag, 30. Juni, 18:00 Uhr, Ökumenisches Friedensgebet, Pfarrkirche Graz-Ragnitz, 8047 Graz, Ragnitzstraße 168

Katholische Sozialakademie
Mittwoch, 10. Juni, 17:00 Uhr, Die Welt in Hoffnung offen halten für die Zukunft Gottes" (Sozialwort 320), Gabriele Kiensberger zu Sozialwort 10+, Otto Mauer-Zentrum, 1090 Wien, Währinger Straße 2 – 4.

Ökumenische Gottesdienste Karl-Marx-Hof
finden jeweils um 10:00 Uhr in den Räumen des PensionistInnenclubs, Eingang Grinzinger Straße, Ecke Heiligenstädter Straße statt: Sonntag, 7. Juni und 28. Juni.

Friedensburg Schlaining
Sommerakademie 5. – 10. Juli, Zivilgesellschaft im Konflikt, Vom Gelingen und Scheitern in Krisengebieten Die diesjährige Sommerakademie an der Friedensburg Schlaining widmet sich der Thematik des zivilgesellschaftlichen Engagements in Krisen und Konflikten. Welche Konzepte und Ideen liegen dem Begriff der Zivilgesellschaft zugrunde? Worin unterscheiden sich einzelne Zugänge in Theorie und Praxis?
Die Sommerakademie 2014 „Gewalt für den Frieden? Vom widersprüchlichen Umgang mit der Rechtfertigung militärischer Intervention“ wird in einem gleichnamigen Tagungsband dokumentiert werden.
Infos: http://www.aspr.friedensburg.at/konferenzen-und-veranstaltungen/internationale-sommerakademie/

KAB Vesper
Die Vesper der Katholischen ArbeitnehmerInnenbewegung St. Pölten findet jeden letzten Sonntag im Monat (außer in den Sommermonaten) um 19:00 Uhr (Achtung: NEUER Beginn) im Jugendhaus Schacherhof in Seitenstetten (Bezirk Amstetten) statt.

Friedensstand am Donauinselfest
auf der Gewerkschaftsinsel bei der Gewerkschaft VIDA vom 26. bis 28. Juni 2015 http://www.donauinselfest.at/

Pax Christi Wien
trifft sich wieder am Montag, 29. Juni 2015 um 18:00 Uhr in der Alten Burse, 1010 Wien, Sonnenfelsgasse 19 (U3 Stubentor).

Bundeskongress der ACUS und Weltkongress der Int. Liga der Religiösen SozialistInnen
vom 18. bis 20. September 2015 in Innsbruck „Zukunft der Gerechtigkeit - A Future Of Justice and Inclusion: Combating discrimination, austerity and indifference in a fragmented world”, Infos in Kürze:
https://www.facebook.com/pages/Arbeitsgemeinschaft-Christentum-und-Sozialdemokratie-ACUS/221504224607125?fref=ts

 

Hiroshima-Aktionen
für eine Welt ohne Atomwaffen, AKWs und Krieg

am Hiroshima-Tag, Donnerstag, 6. August 2015, ab 18.00 Uhr Aktion am Wiener Stephansplatz, 20:30 Uhr Laternenmarsch
Samstag, 8. August 2015, Melk: 10:00 Uhr bis 13:00 Uhr, Gedenkaktion in der FußgängerInnenzone Melk
Nagasaki-Gedenktag, Sonntag, 9. August 2015: Wien, 20:00 Uhr, Buddhistische Gedenkzeremonie bei der Friedenspagode, 1020 Wien
http://www.hiroshima.at/

 

 

E-Mail: 
friedenschristinnen@gmx.at
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http://www.friedenschristen.at.tf/
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Aktionsgemeinschaft Christen f. d. Friedensbewegung
DANKE!

 

Impressum: MedieninhaberIn, HerausgeberIn, VerlegerIn: Verein "Unterstützungsausschuss zur Förderung der Österreichischen Friedensbewegung", ZVR-Zahl 223988557, alle: 1170 Wien, Rosensteingasse 69/6. Gestaltung dieser Ausgabe: Andreas Pecha, Alois Reisenbichler, Manfred Sauer. Druck: Internationales Referat des ÖGB, 1020 Wien, Johann Böhm Platz 1. Offenlegung nach § 25 Mediengesetz: EigentümerIn: 100 % Verein "Unterstützungsausschuss zur Förderung der Österreichischen Friedensbewegung". Blattlinie: Die Zeitung ist Organ des oben genannten Vereines. Sie tritt in ihren Artikeln für Frieden, Abrüstung, Völkerverständigung und soziale Gerechtigkeit ein. Diese Zeitschrift ist eine Plattform für den Dialog zu aktuellen Fragen der Friedenspolitik.

Das „Informationsblatt der Christinnen und Christen für die Friedensbewegung“ erscheint unter dem Zeitungstitel „Betrifft Frieden“ – Redaktion und Adressverwaltung bleiben eigenständig.

 

 

Wir danken dem Internationalen Referat des ÖGB für den Druck dieses Informationsblattes!

 

 

 



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