2014-2-Mai 2014

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BETRIFFT FRIEDEN Nr. 3 / 2014

Informationsblatt der Christinnen u. Christen für die Friedensbewegung - Nr. 2/2014

 

Liebe Friedensfreundin, lieber Friedensfreund,

das nächste Treffen findet am

Sonntag, dem 18. Mai 2014 in der Evangelischen Pfarrgemeinde HB,
1150 Wien, Schwegler Straße 39 (U3 „Schwegler Straße“) statt.

Das Treffen beginnt um 14:30 Uhr.

Univ.-Prof. Dr. Dieter Segert (Osteuropa-Experte am Institut für Politikwissenschaft der Universität Wien) spricht um 16:00 Uhr über „Die aktuelle Lage in und um die Ukraine“.

Am Freitag, 23. Mai findet wieder die Lange Nacht der Kirchen statt: Beitrag der Christinnen und Christen für die Friedensbewegung: 19:00 Uhr – 20:15 Uhr: Kriegsgeschrei und Totentanz, Texte und Lieder zum 1. Weltkrieg, Kriegspredigten, gelesen und kommentiert von Pfr. Thomas Hennefeld., Kriegslieder, komponiert und gesungen von Ernst Toman. Dem Kriegsgeschrei werden "Friedens-Texte" gegenüber gestellt. Evangelische Pfarrgemeinde H.B., 1150 Wien, Schweglerstraße 39 (U3 Schweglerstraße) http://www.langenachtderkirchen.at/

 

Aus dem Inhalt:
Die Ukraine ist ein zerrütteter Staat“ Der Politologe Dieter Segert plädiert für eine Staatsreform der Ukraine.
Pax Christi Österreich und die Krise in der Ukraine
Kaplan Franz Sieder: Die Ausländerinnen und Ausländer in Wien
Atomprotest mit Folgen
Termine & Infos

 

Die Ukraine ist ein zerrütteter Staat“
Der Politologe Dieter Segert plädiert für eine Staatsreform der Ukraine.

Die Situation in der Ukraine wird immer unübersichtlicher. Was wollen die Menschen im Osten wirklich?
Welche Rolle spielt Russland?

Frage: Herr Segert, wie gespalten ist die Ukraine wirklich?

Dieter Segert: Es gibt zwei unterschiedliche Orientierungen, sowohl sprachlich als auch wirtschaftlich. Und nach der Orangen Revolution wurde eine unglückliche Geschichtspolitik betrieben, die die Unterschiede betont hat. Aber die Ukraine hat durchaus eine eigene Identität als Staat. Die stammt nicht aus der fernen Geschichte, sondern aus der Zeit der Sowjetunion, aber Nationen bilden sich nicht über Jahrtausende. Österreich hat seine nationale Identität gegenüber Deutschland auch erst in den letzten Jahrzehnten gefunden. In der Sowjetunion war die Ukraine eine Teilrepublik und als solche hat sie sich 1991 für unabhängig erklärt. Sie existiert also in ihren jetzigen Grenzen seit 1945. Ich sehe sie nicht in zwei Teile zerfallen.

Welche Rolle spielt die Sprachenpolitik?

Segert: Das Problem des Russischen als zweite Staatssprache existierte lange unterschwellig. Erst 2012 wurde Russisch als offizielle Sprache in Gebieten festgesetzt, wo mehr als zehn Prozent sich als Muttersprachler definieren. Eines der großen Probleme der neuen Regierung war, dass sie dieses Sprachengesetz auf Antrag der rechtsextremen Swoboda-Partei aufgehoben hat. Die Aufhebung ist nicht in Kraft getreten, weil der Präsident nicht unterschrieben hat, aber viele im Osten und Süden empfanden sie als aggressiv und unangemessen.

Wollen die Menschen im Osten den Anschluss an Russland?

Segert: Auch im Osten und Süden definiert sich nur ein relativ kleiner Teil selbst als ethnische Russen. (…) Die Gefahr der Spaltung geht nicht von Russland aus, sondern davon, dass der ukrainische Staat zerrüttet ist. Es gibt keine legitime, von der Mehrheit anerkannte Regierung. Die Regierung ist ja nicht durch Wahlen an die Macht gekommen, und mit Panzern gegen eine rebellierende Minderheit in der Bevölkerung vorzurücken fördert auch nicht die Bereitschaft, die Regierung anzuerkennen.

Im Osten besetzten prorussische Kräfte Regierungsgebäude, angeblich sollen auch ukrainische Soldaten übergelaufen sein.

Segert: Die militärische Offensive der ukrainischen Armee gegen „Terroristen und Separatisten“, wie dort gesagt wird, scheint nicht besonders erfolgreich zu verlaufen, offenbar gibt es keine handlungsfähige Armee. Das ist ein erneuter Beleg dafür, dass der Staat im Augenblick nicht sehr stabil ist. Es gibt ein Wirrwarr von Informationen, ich würde einige davon auch als psychologische Kriegsführung der einen oder anderen Seite einschätzen. Es gibt sicher Kräfte, die versuchen, den Konflikt anzuheizen, Leute aus dem russischen Geheimdienst oder Trupps von Nationalisten aus Russland. Aber die russischen Provokateure hätten keinen Erfolg, wenn es nicht diese Zerrüttung des Staatswesens, diese Unzufriedenheit und diese Entfremdung von Kiew gäbe. (…)

Wie groß ist die Gefahr eines neuen Kalten Krieges?

Segert: Die Gefahr ist schon irgendwie vorhanden. Ich sehe da nicht nur Russland auf dem falschen Weg. Die Annexion der Krim ist etwas, was völkerrechtlich nicht geht, und Russland ist auch aufgrund seiner autoritären Strukturen kein besonders berechenbarer Partner. Aber umgekehrt kann man mit militärischen Aktionen nicht so einfach Probleme lösen und schon gar keine Demokratie exportieren, das haben der zweite Irak-Krieg und Afghanistan gezeigt.

Wie könnte man Teilung und Krieg verhindern?

Segert: Die Dezentralisierung wird immer als Vorschlag Russlands dargestellt, das Land zu schwächen und auseinanderzubrechen. Aber ich glaube, genau diese Dezentralisierung hat in den letzten zwei Jahrzehnten gefehlt. Es gab zu Recht Kritik daran, dass Putin in Russland vor ein paar Jahren die Gouverneurswahlen abgeschafft hat, aber es wird überhaupt nicht kritisiert, dass in der Ukraine alle Gouverneure vom Präsidenten eingesetzt werden. Das ist keine besonders demokratische Struktur und passt nicht zur Realität der Ukraine mit ihren unterschiedlichen Orientierungen, Identitäten und kulturellen Bindungen.

Polen und die baltischen Länder haben eine verstärkte NATO-Präsenz angefordert. Ist ihre Sorge berechtigt?

Segert: Diese Ängste sind in der Geschichte begründet und in der Art, wie diese Länder Geschichtspolitik getrieben haben. Ich halte sie aber nicht für hilfreich. Ich sehe die Gefahr nicht, dass Russland jetzt hemmungslos alle russischen Minderheiten „befreien“ will. Da sitzen ja keine Idioten und Abenteurer an der Spitze des Staates.

Auszug aus dem Interview von Ruth Eisenreich, Falter 17/14 vom 23. April 2014.

 

Pax Christi Österreich und die Krise in der Ukraine

Mit großem Bedauern verfolgt Pax Christi Österreich die Entwicklungen in der Ukraine.

Die Proteste in der Ukraine nahmen bekanntlich ihren Anfang, weil die legitime Regierung Janukowitsch das Assoziierungsabkommen mit der EU nicht unterschrieb, um die enge Zusammenarbeit mit Russland nicht zu gefährden.

Die Proteste begannen in der Westukraine, vor allem in Kiew, konzentriert auf dem Maidan. Unter Vermittlung von drei EU-Außenministern (Deutschland, Frankreich und Polen) unterzeichneten sowohl Janukowitsch als auch die Opposition ein Abkommen, das u. a. eine Übergangsregierung der nationalen Einheit, die Auflösung bewaffneter Milizen, eine Verfassungsänderung sowie vorgezogene Präsidenten- und Parlamentswahlen vorsah. Unter dem Druck der Protestaktionen stimmte das Parlament unter Missachtung dieses Abkommens sowie der geltenden Verfassung für die Absetzung des Präsidenten und wählte Alexander Tuchynow zum Interimspräsidenten. Die neue Übergangsregierung wurde ohne Vertretung der russisch-sprachigen Bevölkerung nur aus Parteien der bisherigen Opposition gebildet.

Der maßgebliche Einfluss von rechtsradikalen und nationalistischen Gruppierungen, fast 100 Tote auf beiden Seiten, ermordet von Scharfschützen, Hunderte von Verletzten, verschiedene neue Gesetze u.a. auch die dann wieder zurückgenommene Abschaffung von Russisch als Amtssprache u.a.m steigerte die Eskalation. Am 28.2.2014 appellierte der UN-Sicherheitsrat, die Einheit, territoriale Integrität und Souveränität der Ukraine und die Diversität der ukrainischen Gesellschaft zu respektieren. Ohne Erfolg.

Die Lage der autonomen Republik (Provinz) Krim ist sehr komplex, aber die wie auch immer begründete Konfliktbeteiligung der russischen Armee ist nicht akzeptabel.

Das Misstrauen der russischen Regierung gegenüber NATO-Visionen der ukrainischen Übergangsregierung, die Befürchtungen Russlands um die russischsprachige Mehrheitsbevölkerung in der Krim und die Befürchtungen , vitale Interessen in der Krim (u. a. bezüglich der seit über 200 Jahren in Sewastopol stationierten russischen Schwarzmeerflotte), welche historische engste und gewachsene Verbindungen mit Russland hat, sind nachvollziehbar und ernst zu nehmen. Sowohl die Sicherheitsinteressen Russlands als auch die der Ukraine müssen berücksichtigt werden.

Pax Christi fordert auf, von militärischen Gewaltlösungen abzusehen und Gespräche zu führen. Dies betrifft die Beteiligten in der Ukraine, Russland, EU, USA u.a.m.)

Pax Christi ersucht die österreichische Bundesregierung, die neutrale Rolle, die Nichtangehörigkeit zu Militärbündnissen ernst zu nehmen und auch diplomatisch einzubringen. Österreich muss sich einer EU Politik widersetzen, die an Muster des alten Ost-West-Konfliktes anknüpft. Österreich muss sich einer westlichen Politik widersetzen, die über gemeinsame Nato Übungen (EU – Ukraine) ein Drohpotential gegenüber Russland aufbaut.

Pax Christi bittet vor allem die religiösen Menschen und Verantwortungsträger, nicht die Waffen zu segnen, sondern als Mediatoren und Brückenbauer aktiv zu werden.

Wir ersuchen alles Menschen guten Willens, für den Frieden zu beten. Lasset uns beten, auf dass die Weisheit, der Friede und die Gerechtigkeit den Sieg davon trage. (13. März 2014)

 

Kaplan Franz Sieder
Die Ausländerinnen und Ausländer in Wien

Predigt am Sonntag, 6. April 2014 in Pfarre Emmaus am Wienerberg

Wie schaut die Situation der Ausländerinnen und Ausländer in Wien wirklich aus? Ja, es gibt viele Ausländerinnen und Ausländer in Wien. Wir erleben das, wenn wir mit der U-Bahn oder mit der Straßenbahn fahren. Wir erleben es auch sehr stark in den Schulen. Eine Volksschullehrerin hier in Wien hat mir gesagt, dass es in ihrer Klasse nur zwei österreichische Kinder gibt – alle anderen sind AusländerInnenkinder. Ich glaube aber auch, dass viele sogenannte „Ausländerkinder“ schon hier in Österreich geboren wurden. Der berühmte österreichische Psychiater Erwin Ringel, der ja auch hier in Wien gelebt hat, hat gesagt, dass das Fremdsein den Menschen Angst macht und dass wir die Ängste der Menschen ernst nehmen sollen. Was sind nun die Ängste der Wienerinnen und Wiener, wenn die Zahl der Ausländerinnen und Ausländer in ihrer Stadt immer mehr zunimmt. Wien war in seiner Geschichte aber auch immer eine Stadt von Einwanderinnen und Einwanderern.

Ich möchte einige dieser Ängste benennen: Es ist die Angst vor dem Identitätsverlust. Es ist die Angst, dass mit der Zeit die AusländerInnen das öffentliche Leben zu sehr dominieren. In den Schulen ist die Angst, dass durch die AusländerInnenkinder das schulische Niveau gedrückt wird. Ich bin ArbeiterInnen- und Betriebsseelsorger und bei meinen Besuchen in den Betrieben erlebe ich, dass bei vielen Arbeiterinnen und Arbeiter auch eine subtile AusländerInnenfeindlichkeit da ist. Bei ihnen ist die Angst wahrscheinlich jene, dass sie ihnen die Arbeitsplätze wegnehmen und dass sie das Lohnniveau drücken, weil sie zu allen Bedingungen bereit sind, zu arbeiten. Sie tragen dazu bei, dass in der Arbeitswelt eine gewisse Versklavung zunimmt. Es gibt das Sprichwort: „Der glückliche Sklave / die glückliche Sklavin ist der größte Feind der Freiheit.“ Sie sind glücklich, weil sie überhaupt eine Arbeit haben. Es sind sicher auch noch andere Ängste da, die ich aufzählen könnte. Wir sollen diese Ängste der Menschen nicht in den Wind blasen, sondern wir sollen diese Ängste einmal ernst nehmen und auch aussprechen. Der Herr Strache versucht aus diesen Ängsten politisches Kapital zu schlagen und darum schürt er diese Ängste noch viel mehr. Wir können auch nicht alle Ängste, die da sind, auflösen oder wegdiskutieren. Wir müssen uns diesen Ängsten stellen und teilweise müssen wir auch lernen, mit diesen Ängsten zu leben. Manche der Ängste sind unberechtigt, aber sicher nicht alle.

Wie sollen wir als Christinnen und Christen mit dem „Ausländerproblem“ hier in Wien umgehen? Wie soll unsere Haltung sein, wenn wir unseren Glauben ernst nehmen? Ich möchte hier zuerst einen Ausspruch des Heiligen Franz von Assisi nennen, der folgendermaßen heißt: „Wenn Menschen anders sind, als du es dir wünscht, was du dann an Geduld und an Demut aufbringst, das bist du – nicht mehr und nicht weniger.“ Das Leben in Wien wäre wahrscheinlich wirklich viel einfacher und unkomplizierter, wenn es keine AusländerInnen oder nur sehr wenige geben würde. Die Ausländerinnen und Ausländer sind aber gekommen und sie werden weiter kommen. Sie kommen nicht aus reiner Lust, weil Wien so schön ist. Ein Teil ist gekommen, weil bei ihnen zuhause Krieg ist und weil dort ihr Leben bedroht ist. Ein anderer Teil – wir nennen sie „Wirtschaftsflüchtlinge“ – ist gekommen, weil zu Hause bittere Armut herrscht, weil sie keine Zukunft in ihrem eigenen Land haben und weil sie wie jeder Mensch auf dieser Welt das Recht haben, menschenwürdig zu leben. Ich finde auch ihre Flucht legitim und kann sie verstehen. Ich war selbst durch zwanzig Jahre hindurch Flüchtlingsseelsorger für die Österreicherinnen und Österreicher, die in England leben. Es sind viele tausende – vor allem Frauen, die nach dem Zweiten Weltkrieg nach England gegangen sind und dort vor allem in der Textilindustrie und bei den Reichen im Haushalt gearbeitet haben. Sie haben auch oft die Ablehnung als Ausländer / Ausländerin gespürt und viele haben mir gesagt, dass sie das Wort „bloody foreigner“, das heißt „depperter Ausländer“, oft gehört haben. Sie haben keine Wurzeln gefasst in der neuen Heimat. Niemand verlässt leichtfertig seine Heimat. Für sie alle gilt das Wort: „Die Heimat ist ihnen fremd geworden, aber die Fremde nicht zur Heimat.“ Auch den Ausländerinnen und Ausländern in Wien wird Österreich nie zu einer wirklichen Heimat werden.

Wenn wir ehrlich in der Bibel suchen, wie unsere Haltung als Christinnen und Christen dem Fremden gegenüber sein soll, dann würde ich sagen, dass es die Haltung der Gastfreundschaft sein soll – eine Kultur des Willkommens. Im Buch Genesis wird berichtet wie drei fremde Männer den Abraham besuchen. Abraham hat sie gastfreundlich aufgenommen und dann erkennt Abraham, dass Gott selbst in diesen Fremden zu ihm gekommen ist. In der Emmaus-Geschichte wird uns berichtet, wie der auferstandene Jesus als Fremder, den sie nicht kennen, mit einigen Aposteln nach Emmaus unterwegs ist und mit ihnen diskutiert. Sie haben erst dann erkannt, dass der Fremde der Auferstandene ist, als sie ihn eingeladen haben, bei ihnen zu bleiben und als sie mit ihm zu Abend gegessen haben. In seiner Weltgerichtsrede identifiziert sich Jesus auch mit den Fremden, wenn er sagt: „Ich war fremd und hast mich aufgenommen oder nicht aufgenommen.“ Im Fremden, im Ausländer, in der Ausländerin begegnet uns Jesus selbst und er sagt uns auch im Evangelium, dass unser Verhalten dem Fremden gegenüber ein entscheidendes Kriterium dafür ist, ob unser Leben einmal im Tod von Gott angenommen wird oder nicht. Die Gastfreundschaft war auch eines der deutlichsten Markenzeichen der Christinnen und Christen der ersten Jahrhunderte. Die Missionierung am Beginn des Christentums geschah vor allem durch die Gastfreundschaft. Gastfreundschaft für Ausländerinnen und Ausländer hat auch viel mit Empathie zu tun – mit der Empfindsamkeit für das Leid anderer Menschen. Empathie heißt auch, dass wir uns ehrlich interessieren, wie es den Ausländerinnen und Ausländern wirklich geht. Nur nicht ausländerInnenfeindlich zu sein, das ist zu wenig – das ist noch nicht gelebtes Christsein.

Die Kirche hat heute am 5. Fastensonntag das Evangelium von der Auferweckung des Lazarus. Ich möchte dieses Evangelium im Hinblick auf die Ausländerinnen und Ausländer in Wien folgendermaßen deuten:

Jesus möchte auch die Flüchtlinge, die Migrantinnen und Migranten von Wien auferwecken zu einem menschenwürdigen Leben. Bei der Auferweckung des Lazarus hat Jesus dreimal gesprochen: Zuerst sagte er: „Wälzt den Stein vom Grab weg.“ Das zweite Worte lautete: „Lazarus komm heraus“ und das dritte Wort hieß: „Löst ihn die Fesseln und Binden, mit denen er umwickelt ist.“ Das erste und dritte Wort hat Jesus zu den Umstehenden – zu den Leuten – gesagt. Da mussten sie aktiv werden. Das zweite Wort – das „Lazarus, komm heraus“ – hat er in seiner eigenen göttlichen Kraft gesprochen. Der Prozess der Auferstehung ist immer ein Zusammenwirken von Gott und Mensch.

Die eigentliche Auferstehung der Flüchtlinge, die eigentliche Menschwerdung der Migranten und Migrantinnen ist ein Werk Gottes, aber wir sollen mitwirken. Auch zu uns sagt er: Wälzt die Steine von den „Gräbern“ der Ausländerinnen und Ausländer weg, in denen sie gefangen sind. Die Steine, das sind die unmenschlichen AusländerInnengesetze, die wir in Österreich haben. Die Steine, das ist die Tatsache, dass ein Mädchen, wenn sie noch keine Aufenthaltsgenehmigung hat, nur als Sexarbeiterin – als Prostituierte arbeiten darf, sonst wird sie sofort abgeschoben. Steine, das ist auch die Tatsache, dass man nur solche ins Land lässt, die die Wirtschaft braucht. Das ist Egoismus pur und hat null mit Nächstenliebe zu tun.

Was heißt der Auftrag Jesu an uns, dem Lazarus, dem Ausländer, der Ausländerin, die Fesseln und Binden zu lösen? Als Lösen der Fesseln und Binden sehe ich, dass wir ihm / ihr nicht unsere Kultur aufzwingen, dass er / sie nicht an unsere Eigenheiten anpassen muss, dass er / sie in Wien ein freier und anständiger Moslem / eine freie und anständige Moslimin sein kann. Jesus möchte den freien und nicht den eingeengten und versklavten Menschen. Die Ausländerinnen und Ausländer sollen auch in Wien er und sie selbst sein können.

Sicher können wir nicht alle aufnehmen, die zu uns kommen möchten – das ist mir auch klar – aber bevor wir die Frage stellen, ob das Boot voll ist, müssen wir uns fragen, ob wir wirklich auch schon persönliche Opfer im Sinne von Gastfreundschaft für die Ausländerinnen und Ausländer gebracht haben. Ich bin überzeugt, dass wir diese Opfer noch nicht gebracht haben. Gastfreundschaft heißt immer auch; sich selbst ein wenig zurücknehmen und das Herz öffnen für die anderen. Der Theologe Johannes Baptist Metz sagt: „Sünde ist nichts anderes als die Verweigerung des Menschen, am Leid der anderen Anteil zu nehmen. Wie weit sind wir bereit, uns jenen Menschen zuzuwenden und Anteil zu nehmen an jenen, die schon furchtbares Leid erfahren haben: Vom Gott Jesu zu reden, heißt unbedingt fremdes Leid zur Sprache zu bringen – heißt versäumte Verantwortung zu benennen und verweigerte Solidarität zu beklagen. Gelebte Liebe, gelebte Gastfreundschaft ist immer auch mit persönlichen Opfern verbunden. Wenn wir immer nur auf unseren persönlichen Wohlstand bedacht sind, dann werden wir die Ausländerinnen und Ausländer, die uns kommen, sehr schnell als Angriff auf unseren Wohlstand empfinden und es wird in uns ein Gefühl der Abneigung ihnen gegenüber entstehen. Die Begegnung mit fremden Menschen kann für uns sogar zur Bereicherung werden, weil wir durch sie unser kleinliches, provinzielles Denken überwinden, um langsam Weltbürgerinnen und Weltbürger zu werden. Der Nationalismus hat viel Leid über die Menschheit gebracht. So viele Österreicherinnen und Österreicher reisen in andere Länder, um dort fremden Menschen zu begegnen. Wenn aber die Fremden zu uns kommen, dann verschließen wir uns ihnen gegenüber. Sind wir froh, dass wir in einem Land leben, wo wir nicht verfolgt werden und wo wir nicht hungern müssen. Allein schon diese Tatsache verpflichtet uns, dass wir unser Herz öffnen für die Menschen, die fliehen mussten, weil sie in ihrem Land verfolgt werden oder dort vom Hungertod bedroht sind.

Im Prolog des Johannes-Evangelium heißt es über Jesus: „Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf. Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden.“

Es wäre eine völlige Diskrepanz, wenn wir Gott hier in der Eucharistiefeier – in der Kommunion aufnehmen würden – wenn wir ihm aber im Alltag, wenn er uns in den Fremden begegnet, die Aufnahme verweigern. Wenn sich die Eucharistiefeier auch in unserem Leben fortsetzt, dann kann das nur heißen, dass wir den Migrantinnen und Migranten unser Herz weit öffnen.

 

Atomprotest mit Folgen

Für ihre Protestaktion gegen militärische Anlagen in den USA im Juli 2013 wurden drei Personen, darunter eine 84jährige Nonne Ende Februar 2014 hart bestraft. Wie „Die Presse“ (20.2.2014) mitteilte, wurde das Trio umgerechnet zu 39.000 Euro Schadenersatz verdonnert und erhielt Haftstrafen in der Höhe von drei Jahren gegen Schwester Megan Rice und jeweils mehr als fünf Jahre für ihre beiden Mitstreiter.

Die Aktion richtete sich gegen eine militärische Anlage in der Stadt Oak Ridge (Tennessee). Oak Ridge wurde 1942 heimlich als eine der wichtigsten Entwicklungszentren des militärischen Atomprogramms der USA gegründet. Dort wurden die beiden einzigen im Krieg eingesetzten Atombomben (1945, auf Hiroshima und Nagsaki, Japan) gefertigt. Die drei drangen durch drei Zäune zur Atomanlage Y-12, die als bedeutendste US-Lagerstätte für waffenfähiges Uran gilt, vor und besprühten die Mauern mit Friedensbotschaften, warfen blutgefüllte Flaschen und brachen mit mitgebrachten Hämmern Mauerteile aus.

Die Verurteilung erfolgte mit der Begründung „Schädigung staatlichen Eigentum“ und der versuchten Verletzung der nationalen Verteidigung“. In der Prozessphase gab es weltweite Briefaktionen und Aufrufe für milde Urteile. Die drei Akteure setzen eine langjährige Tradition aus den Zeiten des kalten Krieges fort, in der diese Art von Atomwaffenprotesten von zahlreichen christlichen FriedensaktivistInnen (Laien / Laiinnen und Ordensleuten) durchgeführt wurde. (M. Sauer)

Termine & Infos

Ökumenische Gottesdienste Karl-Marx-Hof

finden jeweils um 10:00 Uhr in den Räumen des PensionistInnenclubs, Ein¬gang Grinzinger Straße, Ecke Heiligenstäd¬ter Straße statt: Sonntag, 1. Juni, 29. Juni.

KAB Vesper

Die Vesper der Katholischen ArbeitnehmerInnenbewegung St. Pölten findet jeden letzten Sonntag im Monat um 20:00 Uhr im Jugendhaus Schacherhof in Seitenstetten (Bezirk Amstetten) statt

Pax Christi Tirol

Stammtisch im Haus der Begegnung, Innsbruck „Friede – Gerechtig¬keit – Schöpfung“, jeweils am letzten Donnerstag im Monat um 19:00 Uhr

Die Friedensinitiative 22

trifft sich immer am zweiten Dienstag im Monat um 19:00 Uhr in der Donauci¬tykirche, 1220 Wien, Donaucitystr. 2, U1 Kaisermühlen-VIC:

Di., 13. Mai 2014, Gedenktage – Texte und Lieder, die erinnern und mahnen, mit Ernst Toman

Di., 9. September, Drohnen, Manfred Sauer

Di., 14. Oktober, Nicht nur Kottan ermittelt – Spottgedichte von Helmut Zenker, Alles-leiwand-Lieder mit Ernst Toman, Bunter Abend für Ute Bock

Di., 11. November, „Und ich fürchte den Tod nicht“ Tondiaschau zum 70. Todestag der Feuerwehrleute und Widerstandskämpfer Plakholm und Zak

 

Die Kritischen Literaturtage KRILIT

finden heuer schon vom 16. bis 18. Mai in der Brunnenpassage am Yppenplatz statt: Ziel ist es, Verlage mit alternativen, gesellschafts- und sozialkritischen Büchern vorzustellen. Es gibt wieder einen Friedensstand. Infos: www.krilit.at

 

Evangelische Akademie

Mi., 21. Mai 2014 , 18:30 Uhr, Christlich-marxistischer Arbeitskreis: Sozialwort 10+, Albert Schweitzer-Haus, 1090 Wien, Schwarzspanierstraße 13.

 

Thomas Hennefeld in Ö1 Logos

Der Vorsitzende der Aktionsgemeinschaft ChristInnen für die Friedensbewegung ist am Samstag, 24. Mai 2014 um 19:05 in Ö1 in der Sendung Logos zum Thema „Was glauben Sie?“ zu hören.

 

Wir sind Kirche

Do., 22. Mai 2014, 19 Uhr, Bibelgespräch "Wozu brauchen wir noch das Alte Testament?", Dr. Ignaz Reisenbichler, Pfarre St. Gertrud, Gruppenraum, 1180 Wien, Maynollogasse 3

So., 15. Juni 2014, Treffpunkt: 9:00 Uhr zum Gottesdienst in der Pfarre St. Gertrud in Wien/Währing; 1180 Maynollog. 3

 

60 Jahre Joseph Cardijn in Mariazell

Am 1. Mai 1954 pilgerten 7.500 ArbeiterInnen zu einem Gottesdienst mit Joseph Cardijn, dem Gründer von KAJ und KAB, nach Mariazell. 60 Jahre gedenken KAB und KAJ am 29. Mai (Christi Himmelfahrt) in Mariazell unter dem Motto „Wir stellen den Menschen in die Mitte. Solidarität weltweit“:
9:00 – 11:00 Uhr: KAJ St.Pölten | Solidaritätsaktion für ein Straßenkinder-Projekt in Indien (in der Nacht davor veranstaltet die KAJ einen Soli-Marsch: Infos bei Carina Hammerl, office@kaj.at , Tel. 02742 324 3365)
11:15 Uhr: Festgottesdienst in der Basilika
12:15 Uhr: Festakt vor der Cardijn-Gedenktafel, Ausklang im Festzelt

Pax Christi Wien

trifft sich wieder am Montag, 26. Mai 2014 um 18:00 Uhr in der Alten Burse, 1010 Wien, Sonnenfelsgasse 19 (U3 Stubentor).

22. Fest der Begegnung. 50 Jahre GastarbeiterInnen in St. Pölten und heute

Freitag, 13.06.2014, 16:30 Uhr, Eröffnung der Wanderausstellung "Angeworben - Hiergeblieben, 50 Jahre Gastarbeit Region St.Pölten" im Stadtmuseum St. Pölten, Prandtauerstraße 2 im Rahmen des "Tages der Diversität"
Freitag, 20.6. 2014, ab 19:00 Uhr im cinema paradiso mit Filmpräsentation "50 Jahre GastarbeiterInnen in St. Pölten" und Diskussion
Samstag, 21. Juni 2014, ab 11:30 Uhr Fest der Begegnung und Kulturen am Rathausplatz mit Musik, Tanz, Kulinarischen, Gespräch, Kinderprogramm....

Friedensstand am Donauinselfest

auf der Gewerkschaftsinsel bei der Gewerkschaft VIDA vom 27. bis 29. Juni 2014 http://2014.donauinselfest.at/

Die Sommerakademie

des Österreichischen Studienzentrums für Frieden und Konfliktlösung auf der Friedensburg Schlaining findet zum Thema „Gewalt für den Frieden? Vom widersprüchlichen Umgang mit der Rechtfertigung militärischer Intervention“ statt: So., 6. bis Fr., 11. Juli.
1994: Völkermord in Ruanda – die Welt schaut zu. 1999: Die NATO bombardiert Kosovo im Namen der Menschenrechte, ohne zuvor ein UN-Mandat eingeholt zu haben. 2011: In Libyen nutzt die NATO die humanitäre Lage, um einen Regime-Wechsel herbeizuführen. Aktuell stellen der Krieg in Syrien und die politischen Ereignisse in der Ukraine nicht nur die internationale Staatengemeinschaft vor schwierige Entscheidungen. Auch zivilgesellschaftliche Organisationen, Medien und staatliche Verwaltungsorgane sind gefordert, sich angesichts drohender Krisen-Intervention immer wieder neu zu positionieren. Mit Workshops und Vorträgen von Karin Kneissl, Norman Paech, Karin Leukefeld, Claudia Brunner, Berthold Meyer, Mechthild Exo, Helmut Krieger, Werner Ruf und anderen.
Kontakt: Dr.in Anna Steiner (steiner@aspr.ac.at)
Infos: www.friedensburg.at

 

1914 – 2014: 100 Jahre Internationaler Versöhnungsbund (IFOR)

vom 1. bis 3. August in Konstanz. Vor 100 Jahren, knapp vor Beginn des 1. Weltkrieges wurde der Internationale Versöhnungsbund gegründet. Weitere Infos beim Int. Versöhnungsbund: http://www.versoehnungsbund.at/1914-2014-100-jahre-ifor/

Projekt „sozialwort 10+“

Zehn Jahre nach Erscheinen des Ökumenischen Sozialwortes arbeitet der Ökumenische Rat der Kirchen in Österreich mit seinen 16 Mitgliedskirchen am Projekt „sozialwort 10+“. Aktuelle Infos über den Vorbereitungsprozess und Termine:

http://sozialwortzehnplus.org

Drei Dialogveranstaltungen sind geplant:

Innsbruck: 6. Juni 2014, 14:00 Uhr – 19:00 Uhr Haus der Begegnung, Rennweg 12, 6020 Innsbruck
Wels: 10. Oktober 2014, 14:00 Uhr -19:00 Uhr (Cordatushaus)
Wien: 3. Dezember 2014, 14:00 Uhr -19:00 Uhr (Albert Schweitzer Haus - angefragt)

Hiroshima-Aktionen
für eine Welt ohne Atomwaffen, AKWs und Krieg

am Hiroshima-Tag, Mittwoch, 6. August 2014, ab 18.00 Uhr am Wiener Stephansplatz, mit Laternenmarsch
Nagasaki-Gedenktag, Samstag, 9. August:
Melk: 10:00 Uhr bis 13:00 Uhr, Gedenkaktion in der FußgängerInnenzone Melk
Wien, 20:00 Uhr, Buddhistische Gedenkzeremonie bei der Friedenspagode, 1020 Wien

 

BITTE UM SPENDEN
an Konto IBAN AT47 2011 1000 0403 2675, BIC GIBAATWW
Aktionsgemeinschaft Christen f. d. Friedensbewegung
DANKE!

 

E-Mail: friedenschristinnen@gmx.at pax.vienna@chello.at

http://www.friedenschristen.at.tf/ http://www.friedenschristinnen.at.tf/

Impressum: MedieninhaberIn, HerausgeberIn, VerlegerIn: Verein "Unterstützungsausschuss zur Förderung der Österreichischen Friedensbewegung", ZVR-Zahl 223988557, alle: 1170 Wien, Rosensteingasse 69/6. Gestaltung dieser Ausgabe: Andreas Pecha, Alois Reisenbichler, Manfred Sauer. Eigendruck. Offenlegung nach § 25 Mediengesetz: EigentümerIn: 100 % Verein "Unterstützungsausschuss zur Förderung der Österreichischen Friedensbewegung". Blattlinie: Die Zeitung ist Organ des oben genannten Vereines. Sie tritt in ihren Artikeln für Frieden, Abrüstung, Völkerverständigung und soziale Gerechtigkeit ein. Diese Zeitschrift ist eine Plattform für den Dialog zu aktuellen Fragen der Friedenspolitik.

Das „Informationsblatt der Christinnen und Christen für die Friedensbewegung“ erscheint unter dem Zeitungstitel „Betrifft Frieden“ – Redaktion und Adressverwaltung bleiben eigenständig.

 

 

 



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